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Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung von Kindern (0 bis 15 Jahre)

Kinderarmut bedeutet nach allgemeinem Verständnis das Aufwachsen in einer einkommensarmen Familie, womit Kinderarmut in unmittelbarem Verhältnis zur Einkommensarmut der Familie des Kindes steht. Kindspezifische Erscheinungsformen von Armut zeigen sich vor allem in Gestalt von materieller, gesundheitlicher, sozialer und kultureller Unterversorgung, von welcher nachteilige Wirkungen auf die Entwicklung und die Bildungsmöglichkeiten der betroffenen Kinder ausgehen und ihre Zukunftsperspektiven mittel- und langfristig einschränken.

Die Senkung der Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffenen oder bedrohten Menschen um mindestens 20 Millionen zählt zu den Kernzielen der Europa-2020-Strategie. Die verwendeten Begriffe sind dabei wie folgt definiert:

Europa 2020-Sozialzielgruppe Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung: Personen, auf die mindestens eines der drei folgenden Kriterien zutrifft:

  • Armutsgefährdung oder
  • keine/sehr niedrige Erwerbsintensität im Haushalt oder
  • erhebliche materielle Deprivation.

Armutsgefährdung: Als armutsgefährdet gelten in der EU jene Haushalte, deren Äquivalenzeinkommen unter 60% des Medians aller Äquivalenzeinkommen des Landes liegt. Die Armutsgefährdungsschwelle 2016 in Österreich betrug für Alleinlebende 14.217 EUR pro Jahr bzw. 1.185 EUR pro Monat. Hinzuzurechnen sind 592 EUR pro Monat für jede weitere Person ab 14 Jahren und 355 EUR pro Monat für jedes Kind unter 14 Jahren im Haushalt.

Personen in Haushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität: Personen bis 59 Jahre, die in einem Haushalt leben, in dem Personen zwischen 18 und 59 Jahren (ausgenommen Studierende) im Laufe eines Jahres insgesamt weniger als 20% der maximal möglichen Erwerbsmonate ausschöpfen. Berücksichtigt werden dabei sowohl die Erwerbsmonate als auch die Wochenstunden.

Erhebliche materielle Deprivation (europäischer Mindestlebensstandard): Neun Aussagen über die Leistbarkeit von Gütern/Bedürfnissen für den Haushalt sind festgelegt. Sind mindestens vier dieser neun Merkmale unerschwinglich, so wird eine erhebliche materielle Benachteiligung bzw. Einschränkung aller Personen dieses Haushalts angenommen. Der Haushalt kann sich nicht leisten:

  1. regelmäßige Zahlungen in den letzten zwölf Monaten rechtzeitig zu begleichen (Miete, Betriebskosten, Kreditrückzahlungen, Wohnnebenkosten, Gebühren für Wasser, Müllabfuhr und Kanal, sonstige Rückzahlungsverpflichtungen);
  2. unerwartete Ausgaben bis zu 1.160 EUR zu finanzieren;
  3. die Wohnung angemessen warm zu halten;
  4. jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch (oder entsprechende vegetarische Speisen) zu essen;
  5. einmal im Jahr eine Woche auf Urlaub zu fahren;
  6. einen Pkw;
  7. eine Waschmaschine;
  8. ein Fernsehgerät;
  9. ein Festnetztelefon oder Handy.

Im Jahr 2016 waren in Österreich rund 275.000 unter 16-Jährige von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Die Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdungsquote betrug 20,6% oder gut ein Fünftel der gleichaltrigen Bevölkerung von 1,336 Mio. Armutsgefährdet waren rund 231.000 oder gut jedes sechste Kind von 0 bis 15 Jahren (Armutsgefährdungsquote: 17,3%). Rund 88.000 (6,6%) lebten in einem Haushalt mit keiner oder sehr niedriger Erwerbstätigkeit, und rund 46.000 (3,4%) waren von erheblicher materieller Deprivation betroffen.

Bezug zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes

Im Übereinkommen über die Rechte des Kindes kommt der Begriff Kinderarmut nicht explizit vor; allerdings wird in Art. 27 das Recht jedes Kindes auf einen (seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung) angemessenen Lebensstandard anerkannt. Die primäre Verpflichtung zur Sicherstellung des angemessenen Lebensstandards soll dabei die Eltern bzw. sonstige für das Kind verantwortliche Personen treffen; dabei soll der Staat unterstützend wirken und mittels spezieller Hilfs- und Unterstützungsprogramme der materiellen Bedürftigkeit von Kindern (hinsichtlich Ernährung, Bekleidung und Wohnung) entgegensteuern.

Entwicklung

Sowohl bei den Anzahlen als auch bei den Gefährdungsquoten der Kategorien „Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdete“, „Armutsgefährdete“ und „erhebliche materielle Deprivation“ kam es im Jahr 2013 zu Spitzenwerten. Rund 260.000 (19,8%) waren damals armutsgefährdet und 317.000 (24,2%) armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Nur bei „Haushalt mit keiner oder sehr niedriger Erwerbstätigkeit“ wurde der Höchststand mit 114.000 (8,8%) erst 2014 erreicht. Die Jahre vor 2012 sind aufgrund eines Zeitreihenbruchs nur eingeschränkt vergleichbar.

Die Armutsgefährdungsquote lag 2016 mit 17,3% deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 2008-2016 (18,7%). Seit 2013 ergab sich ein Rückgang um ein Achtel (12,8%). Die Gefährdungsquote für Armut oder Ausgrenzung nahm von 2013 bis 2016 um 14,8% ab, und die für erhebliche materielle Deprivation konnte sogar halbiert werden (-50,4%). Die Quote für Kinder unter 16 Jahren in Haushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbstätigkeit reduzierte sich seit dem Höchstwert von 2014 um etwa ein Viertel (-24,8%).

Die Zahlen sind mit Bedacht zu verwenden, da es sich um mit Unsicherheiten behaftete statistische Hochrechnungen aus Stichprobenbefragungen (EU-SILC) handelt. Es zeichnet sich aber eine erfolgversprechende Tendenz in Richtung Reduzierung der Kinderarmut ab.

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