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Anonyme Geburten und Babynest

Seit der Jahrtausendwende gibt es in Österreich zwei Möglichkeiten für Mütter in Not, ihr Kind anonym abzugeben. Sowohl die anonyme Geburt als auch Babynest haben zum Ziel, Neugeborene vor Aussetzung oder Tötung zu schützen.

Bei einer anonymen Geburt gibt die Mutter ihre Identität gegenüber niemandem preis, und ihre Personendaten werden nicht erfasst. In Österreich wurde im Jahr 2001 auf gesetzlicher Basis die Möglichkeit geschaffen, dass Frauen anonym und auch gratis im Spital entbinden können (siehe Erlass des Bundesministeriums für Justiz über Babynest und anonyme Geburt – JMZ 4.600/42-I.1/2001).
Voraussetzung dafür ist, dass eine ausweglose Lage, eine sogenannte „Notsituation“ vorliegt, was in einem vertraulichen Beratungsgespräch im Rahmen der Jugendwohlfahrt dargelegt werden muss. Ein grundsätzliches Recht auf eine anonyme Geburt gibt es in Österreich nicht.

Das Babynest, auch Babyklappe genannt, ist eine Vorrichtung, mit der Neugeborene bei Krankenhäusern abgegeben werden können. Das erste Babynest Österreichs wurde im Jahr 2000 in Wien eröffnet. Österreichweit gibt es derzeit 15 Babynester in sieben Bundesländern. In Vorarlberg und im Burgenland befinden sich keine.

Bezug zur Kinderrechtekonvention

Artikel 6 des Übereinkommens konstatiert ein angeborenes Recht jedes Kindes auf Leben. Die Vertragsstaaten der Kinderrechtekonvention haben daher das Überleben und die Entwicklung des Kindes in größtmöglichem Umfang zu gewährleisten.

Gemäß Artikel 24 der Kinderrechtekonvention haben Kinder das Recht auf das erre­ich­bare Höch­st­maß an Gesund­heit. Staaten verpflichten sich geeignete Maßnahmen zur Verringerung der Säuglingssterblichkeit zu treffen und sicherzustellen, dass alle Kinder die notwendi­ge ärztliche Hil­fe und Gesund­heits­für­sorge erhal­ten (Artikel 24 Abs. 2 lit a und b)

Die anonyme Geburt und die Babyklappe stehen allerdings auch in einem Spannungsverhältnis zu Artikel 7, wonach ein Kinder das Recht hat soweit möglich – seine Eltern zu kennen und von ihnen betreut zu werden.

Entwicklung

Seit dem Jahr 2008 werden sowohl anonyme Geburten als auch die Anzahl von in Babynestern aufgefundenen Kindern in der jährlich erscheinenden Kinder- und Jugendhilfestatistik (bis 2013: Jugendwohlfahrtsbericht) erfasst.

Deutlich häufiger als die Nutzung von Babynestern (immer zwischen 2 und 6 in den letzten neun Jahren) kam es mit 30-50 Fällen pro Jahr – zwischen 2008 und 2016 im Schnitt 43,6 Mal – zu anonymen Entbindungen.

In diesem Zeitraum fanden die meisten anonymen Geburten in der Steiermark (durchschnittlich 9,1 pro Jahr) und Wien (durchschnittlich 8,7 pro Jahr) statt. Allerdings ist kein relevanter Trend zu beobachten. Die Nutzung von Babynestern findet überhaupt äußerst sporadisch statt. In allen Bundesländern wurden die Babynester in den Jahren 2008 bis 2016 häufig gar nicht bis maximal zweimal pro Jahr in Anspruch genommen. In diesen neun Jahren wurden die Babynester in Summe österreichweit 30 Mal genutzt.

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