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Vermisste unbegleitete Minderjährige

Einer Schätzung von Europol zufolge sind zwischen 2014 und 2016 mindestens 10.000 unbegleitete Flüchtlingskinder nach ihrer Ankunft in Europa spurlos verschwunden (Quelle: ………………….). Allein in Italien waren rund 5 000 Flüchtlinge unter 18 Jahren registriert, seitdem aber unauffindbar; in Schweden handle es sich um etwa tausend Personen.

Laut Bundeskriminalamt wurden 2015/2016 insgesamt 2 600 minderjährige Nicht-EU-Bürger – vermutlich überwiegend unbegleitete minderjährige Asylsuchende – als vermisst gemeldet. Allein rund um das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen waren es 200 Jugendliche, die 2015/2016 verschwunden sind, 150 gelten immer noch als vermisst.

Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass das Phänomen des „Untertauchens“ grundsätzlich in allen Verfahrensstadien eines Asylverfahrens – auch im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht – auftreten kann. Die folgenden Zahlen beziehen sich ausschließlich nur auf Verfahren vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl.

Da das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl eine monokratische Behörde mit bundesweiter Zuständigkeit ist, wird eine Aufschlüsselung nach Bundesländern nicht geführt.

Bezug zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes  

Artikel 22 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes normiert Regelungen zum Status von Flüchtlingskindern. Die Vertragsstaaten sollen daher geeignete Maßnahmen treffen, um sicherzustellen, dass ein Kind, das die Rechtsstellung eines Flüchtlings begehrt oder nach Maßgabe der anzuwendenden Regeln und Verfahren des Völkerrechts oder des innerstaatlichen Rechts als Flüchtling angesehen wird, angemessenen Schutz und humanitäre Hilfe bei der Wahrnehmung der Rechte erhält, die in diesem Übereinkommen oder in anderen internationalen Übereinkünften über Menschenrechte oder über humanitäre Fragen, denen die genannten Staaten als Vertragsparteien angehören, festgelegt sind, und zwar unabhängig davon, ob es sich in Begleitung seiner Eltern oder einer anderen Person befindet oder nicht.

Zu diesem Zweck wirken die Vertragsstaaten in der ihnen angemessen erscheinenden Weise bei allen Bemühungen mit, welche die Vereinten Nationen und andere zuständige zwischenstaatliche oder nichtstaatliche Organisationen, die mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten, unternehmen, um ein solches Kind zu schützen, um ihm zu helfen und um die Eltern oder andere Familienangehörige eines Flüchtlingskinds ausfindig zu machen mit dem Ziel, die für eine Familienzusammenführung notwendigen Informationen zu erlangen. Können die Eltern oder andere Familienangehörige nicht ausfindig gemacht werden, so ist dem Kind im Einklang mit den in diesem Übereinkommen enthaltenen Grundsätzen derselbe Schutz zu gewähren wie jedem anderen Kind, das aus irgendeinem Grund dauernd oder vorübergehend aus seiner familiären Umgebung herausgelöst ist.

Entwicklung

Im Jahr 2015 haben sich 1.566, im Zeitraum vom 1. Jänner bis 1. Mai 2016 (Abfragestichtag: 1. Mai 2016) 422 unbegleitete minderjährige Asylwerber dem Asylverfahren (Zulassungs- und zugelassenes Verfahren) vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl entzogen.

Mit Stichtag 1. Mai 2016 waren 523 minderjährige Nicht-EU-Bürger in der österreichischen Fahndungsdatenbank (EKIS) als abgängig ausgeschrieben.

Diese Zahl umfasst neben unbegleiteten minderjährigen Asylwerbern, Flüchtlingen und Asylberechtigten sowie unbegleiteten Minderjährigen, denen subsidiärer Schutz zuerkannt wurde, jedoch auch alle anderen minderjährigen Drittstaatsangehörigen, nach denen gemäß § 24 Abs. 1 Z 2 bis 4 Sicherheitspolizeigesetz von österreichischen Sicherheitsbehörden wegen Abgängigkeit gefahndet wird. Daten zum asylprozessualen Status oder Informationen darüber, ob eine minderjährige Person zum Zeitpunkt der Abgängigkeit unbegleitet war, werden in der Fahndungsdatenbank nicht gespeichert und können daher auch nicht statistisch ausgewertet werden.

Im Jahr 2015 haben sich 1.419, im Zeitraum vom 1. Jänner bis 1. Mai 2016 (Abfragestichtag: 1. Mai 2016) 391 unbegleitete minderjährige Asylwerber dem Zulassungsverfahren entzogen.

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