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Mag. Alexandra Lugert, Bundesgeschäftsführerin des Österreichischen Familienbundes Familien wollen mehr und vor allem qualitativ wertvolle Zeit miteinander verbringen. Kinder schätzen es, wenn sich ihre Mütter und Väter aktiv und exklusiv mit ihnen beschäftigen. Die Bedürfnisse und Wünsche von Familien mit Kindern geraten in einer immer stärker von ökonomischen Zwängen und Einzelinteressen dominierten Gesellschaft leicht aus dem Blick. Die elterlichen Erwerbsanforderungen und deren Auswirkungen auf die Familienzeit von Kindern und Eltern wird vorwiegend negativ wahrgenommen (Familien in Nahaufnahme“, Studie im Auftrag des bmwfj, Wien 2009). In einer Allensbacher Studie kommt klar zum Ausdruck, dass die familiäre Zeitnot vor allem dadurch entsteht, dass die beruflichen Anforderungen zu groß sind. 89% der Väter und 71% der Mütter gaben an, beruflich stark gefordert zu sein. 40% der Mütter bezeichneten ihre Arbeitszeiten als ungünstig. Erwartungsgemäß wünschen sich 64% der Mütter, die in Vollzeit tätig sind, kürzere Arbeitszeiten, aber auch 27% der Väter versprechen sich durch kürzere Arbeitszeiten mehr Freiraum für die Familie. Ein Umdenken in der Arbeitswelt würde Eltern entgegenkommen. Nach wie vor gelten Teilzeitangebote als Karriere-Hindernis“. Lebensphasenmodelle sollten angedacht werden wie auch flexibler gestaltete Arbeitszeitkonten, Jahresarbeitszeiten mit verringerter Arbeitszeit in Ferienzeiten, längere Durchrechnungszeiträume und innovative Zeit-Ansparmodelle. Durch längere Ausbildungszeiten kommt es vermehrt zu einer “Rushhour“ in der junge Paare Familie gründen, Wohnraum schaffen und Karriere machen sollen. Viele fühlen sich von dieser Situation überfordert und entscheiden sich gegen Familie, wie die dramatische Geburtenentwicklung in Europa zeigt. Eine Entschleunigung unserer Gesellschaft ist notwendig. Kinder profitieren von der Zeit, die Eltern ihnen widmen in vielfältiger Weise. Kinder entwickeln Selbstbewusstsein, Lernmotivation und Lebensfreude, wenn sie spüren, dass sie ernst genommen werden. Das Wichtigste, das Eltern ihren Kindern mitgeben können, ist, ihnen zu zeigen: Du bist mir wichtig!“ Schon kleine Rituale im Alltag können das signalisieren, wie z.B. ein gemeinsames Essen am Tag oder auch das gemeinsame Zubereiten der Mahlzeit, wo man miteinander den Tag reflektiert und Gedanken austauscht. Deshalb ist es wichtig, Mut zu machen und zu motivieren, damit Familien gemeinsam spielen, Spaß haben, zusammenhalten und sich geborgen fühlen. Gemeinsamkeit in der Familie ist enorm wichtig für die Ausbildung der kindlichen Persönlichkeit und des Selbstbewusstseins. Gemeint ist damit die so genannte Ich-Stärke, die innere Stabilität eines Kindes. Kinder, die sich aufgehoben und geliebt fühlen, können später auch mit Schwierigkeiten besser fertig werden. Dieses positive Selbstwertgefühl schützt sie auch am besten vor schädlichen Einflüssen und Gruppendruck“. Wesentlich ist auch, dass ein häufiges, sich austauschendes Miteinander in der Familie natürlich auch die Sprache fördert; denn Sprache lernen wir nur durch Sprechen. Der Stellenwert, den Kinder in dieser Gesellschaft haben, die stark vom Erwerbsleben geprägt ist, ist entscheidend, wenn es um Verständnis für die Familienzeit geht. Es ist wichtig, Elternzeit für die Kinder zu ermöglichen. Diese Forderung gewinnt mit zunehmender Erwerbstätigkeit beider Elternteile an Bedeutung. Wenn es gelingt, dass Familien den Bogen zwischen Erwerbs- und Familienarbeit so spannen können, dass Kinder und Eltern zufrieden sind und sich dabei wohl fühlen, dann wird viel beigetragen zu erfolgreicheren, konfliktfreieren Beziehungen. Den Familien und Paaren müssen die für sie notwendigen Unterstützungen und Hilfestellungen zukommen, damit sie ihre Beziehungen dauerhaft leben können. Kinder gewinnen in einer guten dauerhaften Beziehung zu ihren Eltern Sicherheit und Geborgenheit. Kindererziehung und Familienarbeit ist auch eine Aufgabe der Väter. Kinder brauchen Unterstützung in Rat und Tat, wenn sie sich zu selbstständigen Erwachsenen entwickeln sollen, die selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen und sich von negativen Einflüssen wie Gewalt, Drogen, Alkohol nicht einfangen lassen und auch nicht resignieren. Das Miteinander, wenn es um die Erziehung der Kinder geht, ist ungemein wichtig, um das Familienleben zu stärken. Gemeinsames Spielen stärkt diese Beziehungen, Kinder lernen zu kommunizieren. Konflikte auf dem Spielplan geben Gelegenheit, Lösungskompetenz zu erwerben, Kinder lernen zu gewinnen und zu verlieren (und dass die Welt sich trotzdem weiterdreht); der Sinn von Spielregeln wird erfahren, gelernt, dass eine Regeländerung nur gemeinsam durchgeführt werden kann. Spielen ist das Leben. In behüteten Rahmen können Kinder Lebenserfahrung sammeln. (Thema des Monats März 2010) |
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