Kinderrechte in der Bekämpfung von HIV/AIDS
Mag. Alexander Schwentner, UNICEF Österreich
Trotz zahlreicher Fortschritte im weltweiten Kampf gegen HIV und AIDS stirbt alle zwei Minuten ein Kind an AIDS bedingten Ursachen. Eine Tatsache die zeigt, dass die Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft maßgeblich verstärkt werden müssen, um die Millennium-Entwicklungsziele bis 2015 erreichen zu können. Denn noch immer infizieren sich täglich 1.000 Kinder mit dem HI-Virus – mindestens 50 Prozent aller infizierten Neugeborenen sterben noch vor ihrem zweiten Geburtstag.
Die HIV/AIDS Pandemie ist nicht überall auf der Welt gleich stark verbreitet. In Österreich leben derzeit 12.000 bis 15.000 Menschen mit dem HI-Virus und täglich kommt es zu ein bis zwei Neuinfektionen. Das südliche Afrika ist hingegen die am stärksten betroffene Region mit schätzungsweise 22,4 Millionen infizierten Personen. Somit leben etwa zwei Drittel aller HIV-infizierten Menschen in den Ländern südlich der Sahara. 90% aller Kinder, die an AIDS bedingten Ursachen gestorben sind, lebten in dieser Region. Einziger Lichtblick – die Ausbreitung von HIV/AIDS ist in dieser Region rückläufig. Anders sieht die Situation in Osteuropa und Zentralasien aus. Vor allem in der Ukraine und in Russland steigt die Verbreitung aufgrund intravenösen Drogenkonsums rasant an.
Kinder werden hauptsächlich während der Schwangerschaft, bei der Geburt und beim Stillen mit dem HI-Virus infiziert. Weltweit gibt es ungefähr 1,4 Millionen HIV-positive Mütter und etwa 2,1 Millionen HIV-positive Kinder von denen ca. 90% von ihren Müttern infiziert wurden. Doch Kinder sind auch noch auf andere Weise von HIV und AIDS betroffen. Bereits 15 Millionen Kinder hat das HI-Virus zu Aidswaisen gemacht, d.h. dass sie entweder Mutter und/oder Vater an AIDS bedingten Ursachen verloren haben. Der Verlust der Eltern stellt einen schwerwiegenden Einschnitt im Leben der Kinder dar, mit sehr weitreichenden Folgen. Viele dieser Kinder gelten als HIV-infiziert und werden deswegen aus der Dorfgemeinschaft verstoßen.
Mit der Erwerbsunfähigkeit erkrankter Familienmitglieder geht ein Verdienstentgang der Familie einher, der durch die Beschaffung von notwendigen Medikamenten noch zusätzlich verschärft wird. Lohnarbeit und Pflege werden die Hauptaufgaben von betroffenen Kindern - ein Schulbesuch wird unmöglich. Ohne Grundbildung – der soziale Impfstoff“ gegen HIV und AIDS – bleibt die tödliche Spirale von Armut und AIDS weiter bestehen. Auch Kinder von Familien ohne HIV-Infizierung sind davon betroffen, da bereits unzählige Lehrerinnen und Lehrer an AIDS bedingten Ursachen gestorben sind, bzw. ebenfalls erkrankte Familienmitglieder pflegen müssen.
Medizinische Forschung und moderne Behandlungsmethoden haben aus der todbringenden Infektion eine weitgehend kontrollierbare chronische Krankheit gemacht. Doch in vielen Teilen der Welt haben Menschen keinen oder nur begrenzten Zugang zur Behandlung. Und noch immer werden Kinder seltener als Erwachsene behandelt.
Aus diesem Grund hat sich UNICEF das Ziel gesetzt, Kinder ins Zentrum aller Maßnahmen zu stellen. 2005 wurde die Kampagne UNICEF für Kinder, UNICEF gegen AIDS“ ins Leben gerufen, die vor allem vier Ziele verfolgt:
- Die Mutter-Kind-Übertragung stoppen;
- Medizinische Versorgung sicherstellen;
- Aufklärung und Prävention forcieren;
- Überlebenshilfe für Waisen und andere betroffene Kinder.
Eine Generation ohne AIDS ist möglich, davon ist UNICEF überzeugt. Einer der wichtigsten Punkte, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, ist die Mutter-Kind-Übertragung (PMTCT – Prevention of Mother to Child Transmission“) zu stoppen. Werden keine medizinischen Interventionen gesetzt, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das HI-Virus während der Schwangerschaft, bei der Geburt und beim Stillen auf das Kind übertragen wird, bei 30 bis 40 Prozent. Werden jedoch spezielle antiretroviralen Medikamente und Antibiotika verabreicht, kann eine Mutter-Kind-Übertragung beinahe vollständig vermieden werden. Bei rechtzeitiger Behandlung kann das Risiko einer Übertragung auf ein bis zwei Prozent gesenkt werden.
Vor allem in Entwicklungsländern ist der Zugang zu einer adäquaten Behandlung kaum vorhanden. Logistische Probleme, wie etwa ein schlechtes Gesundheitssystem und eingeschränkte Transportmöglichkeiten, machen es schwierig für Mütter und Kinder, den Zugang zu diesen lebensrettenden Maßnahmen und Vorsorgebehandlungen zu finden. Viele Mütter sind nicht auf HIV getestet und erhalten nicht die notwendigen Medikamente, um die Übertragung von HIV von Mutter zu Kind zu unterbinden.
Aus diesem Grund wurde von UNICEF die Mutter-Kind-Box“ entwickelt, die alle antiretroviralen Medikamente und ein prophylaktisches Antibiotikum namens Cotrimoxazole enthält, die notwendig sind, um die Gesundheit einer HIV-positiven Mutter und ihres Babys zu schützen. In einer ersten Testphase in den Ländern Lesotho, Kenia, Kamerun und Sambia wird die Box HIV-positiven Müttern bei ihrem ersten Kontakt mit einer Klinik übergeben und kann sowohl im Krankenhaus als auch zu Hause eingesetzt werden. Dabei standen Benutzerfreundlichkeit, Haltbarkeit und Verständlichkeit in der Anwendung im Vordergrund. Insgesamt sollen in diesem Jahr über 27.000 schwangere Frauen die Box erhalten.
Die Mutter-Kind-Box wird auch auf der diesjährigen XVIII. internationalen AIDS Konferenz, die dieses Mal in Wien stattfindet, ausgestellt werden. Die Konferenz bietet allen Österreichern eine einmalige Gelegenheit, sich über Fortschritte, Trends und Innovationen zum Thema HIV und AIDS aus erster Hand zu informieren.
Das Thema HIV/AIDS ist auch Schwerpunkt bei der vom österreichischen Parlament gemeinsam mit der Interparlamentarischen Union (IPU) ausgerichteten Parlamentarier/innen-Konferenz, die die AIDS-Konferenz ergänzt.
(Thema des Monats Juli 2010)
HIV/AIDS bei Kindern
Verbreitung und Prävention von HIV/AIDS
Links
Literaturtipps