Jugendlandtag in der SteiermarkMag. Bernhard Seidler, Kinderbüro Steiermark Eine funktionierende Demokratie braucht Beteiligung und Mitbestimmung sowie engagierte Menschen und Rahmenbedingungen, die dieses Engagement erst möglich machen. In vorbildhafter Kooperation lokaler und regionaler Institutionen wurde mit Unterstützung der EU ein neues Modell für die Einbindung junger Menschen in politische Entscheidungsfindungsprozesse gestaltet. Partizipation ist die Basis und das Fundament jeder DemokratiePionierarbeit leistete das Kinderbüro dieses Jahr gemeinsam mit der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und BürgerInnenbeteiligung beteiligung.st in Sachen Jugendlandtag Steiermark. Dieser wurde 2008 erstmals nach einem neuen Konzept der beiden Organisationen gestaltet und durchgeführt. Kooperationspartner waren neben der zuständigen Jugendlandesrätin das Landesjugendreferat und die Landtagsdirektion Steiermark. Das Modell wurde auf Grund seines Pioniergeistes zu einem großen Ausmaß durch die Programmschiene Jugend in Aktion der Europäischen Union finanziert und stand unter Beobachtung aller Bundesländer, die – bei erfolgreicher Durchführung – das Konzept auf ihren eigenen Jugendlandtag übertragen wollen. Jugendliche dort abholen, wo sie leben! Erstmals wurden im Vorfeld des Jugendlandtages im Frühjahr in allen sieben REGIO-NEXT-Regionen der Steiermark eineinhalb Tage dauernde Treffen veranstaltet, zu denen alle Jugendlichen BV zwischen 15 und 20 Jahren eingeladen wurden. Die Einladung erfolgte über Postkarten und Plakate in Schulen und Freizeitzentren einerseits und in Jugendorganisationen andererseits. Die vier Themen des Jugendlandtages 2008 waren:
Bildung und Politik wurden – da sie in den meisten Fällen Bundeskompetenz darstellen - als so genannte Querschnittsthemen ausgewiesen und durchzogen alle Bereiche. Jugendliche diskutierten zu den oben zitierten Themen und formulierten ihre Anliegen und Forderungen. Abschließend wurden für jedes Themenfeld ein Vertreter und eine Vertreterin nominiert, diese sollten ihre Region im Herbst beim Jugendlandtag im Landhaus in Graz vertreten. Somit wurde garantiert, dass die 56 jugendlichen Abgeordneten alle Regionen der Steiermark repräsentierten und gleich viele junge Männer wie Frauen am Jugendlandtag teilnahmen. Am Tag vor dem Jugendlandtag trafen sich die 56 Abgeordneten und ihre Ersatzmitglieder (insgesamt also über 80 Jugendliche) zu einem eintägigen Vorbereitungstreffen, bei dem alle sieben regionalen Forderungen zu einem Themenfeld zusammengefasst und dargestellt wurden. Nun hatten die jungen Menschen die Aufgabe – unterstützt von Moderatorinnen und Moderatoren - aus diesen Informationen jeweils max. vier Thesen für die Bearbeitung im Jugendlandtag zu formulieren und einen Mindestkonsens unter allen Jugendlichen herzustellen. Die 16 Thesen wurden am Tag darauf im Landtag vorgetragen und im Anschluss diskutiert. Im Vordergrund des Jugendlandtages stand der Austausch und die Diskussion mit den politischen Vertreterinnen und Vertretern aller im Landtag vertretenen Fraktionen. Aus diesem Grund gab es auch keine Redeliste, sondern lediglich zwei Moderatorinnen und Moderatoren, welche die Diskussion nach den von Jugendlichen selbst vorgetragenen Thesen leiteten. Die Sitzung wurde abwechselnd von den drei LandtagspräsidentInnen geführt, 10 Landtagsabgeordnete und insgesamt fünf Regierungsmitglieder waren (zumindest zeitweise) bei der Sitzung anwesend. Kontrovers diskutiert wurden insbesondere die Thesen zu Integration und Gleichstellung von Männern und Frauen, große Übereinstimmung – quer auch durch alle Fraktionen – gab es bei der Forderung nach einem eigenen Schulfach Politische Bildung“ (abgekoppelt von dem klassischen Geschichtsunterricht) ab der 8. Schulstufe und bei dem Wunsch nach einer noch stärkeren Förderung alternativer Energieformen. Die Diskussionen wurden mitprotokolliert und das Protokoll dem zuständigen Jugendausschuss weiter geleitet. Dessen Aufgabe wird es nun sein, in den nächsten Wochen aus den vielen Thesen der Jugendlichen jene herauszufiltern, die eine politische Mehrheit für einen Antrag und letztlich auch Beschluss im Landtag finden. Die durchführenden Organisationen werden dafür Sorge tragen, dass die Forderungen der jungen Politikerinnen und Politikern nicht in irgendeiner Schublade verschwinden, sondern regelmäßig auf die Tagesordnung der zu behandelnden Gremien kommen und – mindestens genau so wichtig – dass die weiteren Schritte den teilnehmenden Jugendlichen rückgemeldet werden. Der Jugendlandtag ist – wie in der Vergangenheit so oft – kein singuläres Ereignis, er ist vielmehr der Startschuss zu einer kontinuierlichen Jugendbeteiligung in der Steiermark. Noch vor Jahresende soll eine Homepage online gehen, die einerseits Informationen zu den politischen Abläufen in der Steiermärkischen Landesregierung geben und andererseits ein Raum für die Kommunikation von Politik zu und von Jugend zu Jugend darstellen soll. Kinderparlament Graz (Mag. Bernhard Seidler) (Thema des Monats November 2008) |
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