Kinderparlament GrazMag. Bernhard Seidler, Kinderbüro Steiermark Steiermark als österreichischer Vorreiter in Sachen PartizipationIn der Steiermark hat sich in den letzten Jahren eine lebendige und vielfältige Beteiligungslandschaft geformt, die in zahlreichen Projekten und Prozessen die Mitsprache der jüngsten Bewohnerinnern und Bewohnern garantiert. Für den organisatorischen Rahmen sorgen unterschiedliche Fachstellen der Jugendarbeit, deren Aufgaben, Kompetenzen und Schwerpunkte in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet und festgelegt wurden. Somit ist eine bundeslandweite Abdeckung unterschiedlicher Angebote, sowohl auf Gemeinde- als auch auf Landesebene, garantiert und die Voraussetzung für das Schaffen von Synergien gewährleistet. Regionale Rechtsgrundlagen in der Steiermark sind z.B. das Steiermärkische Volksrechtegesetz, das Steirische Jugendschutz- und das Steirische Jugendförderungsgesetz. Zur Nachahmung empfohlen: Kinderparlament Graz und Jugendlandtag SteiermarkSeit 2005 gibt es in der zweitgrößten Stadt Österreichs ein Kinderparlament, welches vom Kinderbüro Steiermark, einer Lobby für Menschen bis 14, getragen und organisiert und von der Stadt Graz finanziert wird. Das Kinderparlament ist Schnittstelle zwischen Kindern und Jugendlichen einerseits und Verwaltungsbeamtinnen und -beamten und Politikerinnen und Politikern andererseits. Ein wesentliches Qualitätsmerkmal ist die Verankerung des Kinderparlaments – im Gegensatz zu zahlreichen Kindergemeinderäten und Kinderforen auf Verwaltungsebene – bei einem freien Träger. Dieser garantiert die Unabhängigkeit der inhaltlichen Arbeit und stellt somit sicher, dass die Interessen der Kinder im Mittelpunkt stehen. Beim Sprachrohr der Stadt Graz können Kinder zwischen 8 und 14 Jahren ihre Meinung sagen und selbst aktiv an der Gestaltung ihres Lebensumfeldes teilhaben. Das Kinderparlament bildet den organisatorischen Rahmen, damit sich interessierte Kinder und Jugendliche regelmäßig treffen und ihre Ideen und Veränderungswünsche gemeinsam besprechen können. Außerdem überlegen und planen sie ihre konkreten Vorhaben und Aktionen. Im Dezember werden die Kinderbürgermeisterin und der Kinderbürgermeister von der Vollversammlung neu gewählt, ihre gemeinsame Regierungsperiode“ dauert ein Jahr. Aktuell arbeiten ca. 20-30 Kinder und Jugendliche regelmäßig im Kinderparlament mit. Sie besuchen regelmäßig die monatlichen Treffen und bringen sich darüber hinaus – je nach persönlichem Interesse – bei den einzelnen Schwerpunktaktionen ein. Die Stadt Graz hat in ihrer Geschäftsordnung festgelegt, dass das Kinderparlament schriftliche Anträge beim/bei der zuständigen Jugendstadtrat/-stadträtin einbringen kann. In vielen Fällen werden sie auch von Politikerinnen und Politikern und Beamtinnen und Beamten persönlich eingeladen, um ihre Anliegen zu besprechen. Die Leiterin des Kinderparlaments, Mag.a Heidi Jursitzky, ist außerdem Mitglied im Kinder-, Jugend- und Familienausschuss der Stadt Graz, ein Umstand der sicherstellt, dass das Kinderparlament rechtzeitig über alle Anträge die Interessen der Kinder betreffend informiert wird. Unser Grundsatz ist: Für eine kindergerechte Stadt!Grundsätze der Kinderparlamentsarbeit sind Spaß haben, das Motto Alle sind gleich!“ und Freiwilligkeit, Rechtschreibfehler sind erlaubt! Diese Grundsätze und Regeln sind veränderbar und werden regelmäßig von den Kindern auf ihre Gültigkeit hin überprüft und angepasst. Das Kinderparlament fordert ein verbindliches Mitspracherecht in allen Bereichen, die Kinder betreffen. Ziel ist es, bei allen Prozessen, welche die Stadt Graz initiiert, als Kinderrechte- und Kinderfreundlichkeitsexperte mitzuplanen und mitzubestimmen. Diese Forderung erfüllt die weiter oben bereits ausgeführten Inhalte der Kinderrechtekonvention und trägt dazu bei, das Miteinander in der Stadt Graz zu fördern. Aus der konkreten Arbeit ergeben sich auf Grund der Erfahrungen unterschiedliche Forderungen und Wünsche an die politischen Entscheidungsträgerinnen und –träger. Konkrete Forderungen der Jungpolitikerinnen und –politikern seit 2007 sind:
Natürlich ist das Kinderparlament – wie das erwachsene Pendant – der Gemeinderat – ständig öffentlicher Kritik ausgesetzt und steht unter Beobachtung verschiedener Interessenvertretungen. Es ist lediglich ein Feigenblatt der Politik!“ oder Die Erwachsenen versuchen, ihre Wünsche über die Kinder an die Stadtpolitik heranzutragen.“ sind zwei der am häufigsten zitierten Vorwürfe. Diese Kritik kann auf lange Frist gesehen lediglich mit kontinuierlich qualitätsvoll geführter Arbeit der verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zurückgewiesen werden. Das stete Überprüfen der eigenen Grundsätze und regelmäßig durchgeführte Feedbackschleifen bei den jungen Grazerinnen und Grazern garantieren, dass eine Politik mit Kindern für Kinder gemacht wird. Die Dokumentation der durchgeführten und umgesetzten Maßnahmen sind ein wichtiges Qualitätsmerkmal des Kinderparlaments. Hier ein Auszug abgeschlossener Projekte in den letzten beiden Jahren:
Berichte und Bilder zu den einzelnen Maßnahmen finden Sie auf www.kinderparlament.at! Handfeste Erfolge, d.h. auch für andere Bürgerinnen und Bürger, insbesondere Kinder und Jugendliche sichtbare“ Ergebnisse des Kinderparlaments sind:
Das Kinderparlament ist ein wichtiges Instrument, um Bewusstsein für die Anliegen von Kindern auf lokaler Ebene zu schaffen. Durch die Institutionalisierung ist ein Mindestmaß an Mitsprache garantiert. Kontinuierliche Pressearbeit unterstützt die Forderungen der Kinder und Jugendlichen und hilft mit, die Aufmerksamkeit der Politikerinnen und Politiker zu wecken. Grundlage für die Arbeit im Kinderparlament sind immer die Artikeln der UN-KRK. Das Kinderparlament kann jedoch langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn es die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt: Sie wollen dort abgeholt werden, wo sie auf Schwierigkeiten stoßen und brauchen jene Begleitung, die sicher stellt, dass ihre Wünsche und Forderungen Gehör finden. Ganz nach dem Motto: Kinder reden, Erwachsene hören zu!“ Kontakte und weitere Informationen: Kinderbüro Steiermark - Lobby für Menschen bis 14 Kinderparlament Graz beteiligung.st Landesjugendreferat Steiermark Fratz Graz – Freizeit- und Aktivitätszentrum Graz ARGE Partizipation (Thema des Monats November 2008) |
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