Indikatoren, die über die Situation von Kindern Auskunft gebenUm über eine spezielle Situation oder die Wirksamkeit von Politiken befinden zu können, sind Indikatoren notwendig. "Soziale Indikatoren oder Sozialindikatoren sind Messinstrumente der Sozialwissenschaften, mit denen Lebensqualität, Gesamtzustand und Entwicklungsvorgänge einer Gesellschaft quantitativ ermittelt und mit anderen Gesellschaften verglichen werden. Mit Sozialen Indikatoren werden objektive Lebensbedingungen dargestellt und subjektive Zufriedenheit ermittelt (Wohlergehen). Anwendungen liegen in der Sozialberichterstattung und der Begründung und Verbesserung wohlfahrtsorientierter politischer Planung. Im engeren Sinne sind sie Indikatoren zur Messung von Lebensqualität, im Unterschied zur rein ökonomischen Wohlfahrtsmessung durch das Bruttosozialprodukt." (Wikipedia) Seit einigen Jahren gibt es auch im kinderrechtlichen Kontext Bemühungen, die Lebensqualität von Kindern mit geeigneten Indikatoren zu beurteilen und vergleichbare Länder untereinander zu vergleichen. Besonders zu erwähnen sind die Forschungsarbeiten von Unicef aber auch der EU und vom Europarat, die sich diesem Thema auf theoretischer und empirischer Ebene angenommen haben. Die beiden Berichte zum Wohlbefinden von Kindern in reichen Ländern (Innocenti Report Card No. 6 und 7) stützen sich auf Indikatoren, für die es einigermaßen gesicherte Daten gibt - denn ohne Daten nützen die besten theoretischen Konzepte wenig. Verwendet werden nationale Datensätze (Gesundheitsdaten, Bevölkerungs- und Bildungsstatistik, etc.) aber auch internationale Surveys wie PISA (Programme for International Student Assessment), ESS (European Social Survey), EQLS (European quality of life survey), SILC (Statistics on Income and Living Conditions), oder der HBSC (Health Behaviour in School-aged Children). Daten sind die Basis Man kann davon ausgehen, dass diese Daten regelmäßig in allen OECD-Ländern erhoben werden, weil sie wichtig sind für die Beurteilung des Wohlbefindens und der Lebensqualität von Menschen: Daten zur Gesundheit (Säuglingssterblichkeit, Verbreitung von Krankheiten, gesundheitliche Versorgung etc.) sind ebenso wichtig wie zur Bildung (Zugänge, Qualität, Abschlüsse,…). Auch Einkommensfragen sind wichtig, weil an ihnen viele Aspekte der Lebensqualität (Wohnung, Ernährung, Mobilität, Freizeitmöglichkeiten,…) hängen. Weiters sind Aussagen von jungen Menschen zu ihrem Risikoverhalten relevant (i/legale Drogen- und Tabakkonsum, Unfälle, Suizid,…) oder auch, wie sie sich in ihrem sozialen Umfeld integrieren und fühlen: Haben die Eltern Zeit für sie, reden die Familienmitglieder miteinander, ist es Kindern möglich mitzubestimmen und sich einzubringen. Oder aber gibt es überbelastenden Druck und Stress, Gewalt in seinen unterschiedlichen Ausprägungen in der Familie, in der Schule und Kriminalität im sozialen Nahraum? Die Ergebnisse objektiver Indikatoren stehen manchmal im Widerspruch mit jenen von subjektiven Indikatoren. Das subjektive Wohlbefinden von jungen Menschen ist nicht zwangsläufig an gute Schulerfolge, das Risikoverhalten oder eine niedrige Säuglingssterblichkeitsrate und hohe Geburtenrate geknüpft. Wichtig in der Darstellung der Lebensqualität sind auch Differenzierungen nach Geschlecht und Region. Das Leben kann für Mädchen und Burschen unterschiedlich verlaufen und schaut oft anders aus, je nachdem, wo sie wohnen (Land, Stadt, Bezirk) und wie alt sie sind (generell gilt, je jünger die Kinder desto weniger Daten gibt es über ihre Lebensbedingungen). Weiters ist die Zugehörigkeit zu Minoritäten, ethnischen Gruppen, Religion oder andere Kategorien wie z.B. Behinderung relevant für das Wohlbefinden. Der UN-Kinderrechteausschuss fordert daher die Vertragsstaaten bei der Berichtsprüfung auf, ausdifferenzierte Daten zu allen wichtigen Fragen zur Verfügung zu stellen. Generell gilt, dass selbst beim Blick auf besonders benachteiligte Gruppen nicht nur auf das Fehlen von Gütern und Defizite fokussiert wird, sondern auch Ressourcen dargestellt werden, um Lebensbedingungen gut abzubilden. Monitoringinstrumente: Eigenschaften von Indikatoren und Daten Die Europäische Kommission hat die in den Mitgliedsstaaten vorhandenen Indikatoren und erhoben. Gefragt wurde einerseits nach den wichtigsten Charakteristika für qualitatives und quantitatives Monitoring, den abgedeckten Dimensionen, verwendete Datenquellen, Periodizität, Definition von Indikatoren, etc. und dem institutionellen Setting: Wie werden die politischen Ziele zur Bekämpfung von Kinderarmut beschlossen? Wer ist verantwortlich für die Konkretisierung dieser Ziele und dessen Monitoring? Welche Behörden sind auf nationaler und regionaler Ebene verantwortlich? Wie ist die Koordination zwischen den regionalen und nationalen Behörden organisiert? Typen von Indikatoren
Die meisten EU-Mitgliedsstaaten benützen die Indikatoren für das Monitoring von nationalen Aktionsplänen. Auch um die soziale Situation von Kindern sowie Entwicklungen festzustellen, politische Prioritäten festzulegen, Ziele zu setzen und Fortschritte zu messen. (Thema des Monats Juni 2010) Mag. Helmut Sax: Zur "Messung von Fortschritten" im Kinderrechtsschutz mittels Indikatoren |
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