Jugendpolitik - das kann was!
Mag.a Maria Lettner, Referentin für Jugendpolitik bei der Bundesjugendvertretung(BJV)
Der folgende Text will aus der Sicht der Bundesjugendvertretung (BJV) einige Denkanstöße zum Thema Jugendpolitik liefern und Handlungsfelder aufzeigen, die gleichermaßen Herausforderung und Chancen beinhalten.
Jugendpolitik ist auch nach längerem Hinsehen als Begriff schwer zu fassen und hinsichtlich des Wirkungsbereichs schwer abzugrenzen. So nimmt etwa die UN Kinderrechtskonvention junge Menschen bis 18 Jahre in den Blick, viele politischen Maßnahmen (wie etwa Förderprogramme) setzen die Altersgrenze für Jugendliche jedoch weit höher an. Auch für das österreichische Bundes-Jugendvertretungsgesetz gelten junge Menschen bis zur Vollendung ihres 30. Lebensjahres als Jugendliche. In den österreichischen Landesgesetzen, die sich mit Jugend beschäftigen (bspw. zum Thema Jugendschutz), wird teilweise auch explizit zwischen Kindern und Jugendlichen unterschieden. Eine Verständigung aller jugendpolitischen Akteur/innen darüber, wie Jugend zu definieren ist, wäre aus Sicht der BJV ein wichtiger Schritt zu einer koordinierten Jugendpolitik.
Beim Wirkungsbereich von Jugendpolitik ergibt sich das nächste große Fragezeichen: wer macht Jugendpolitik – wo passiert sie? Ist nicht Kinderpolitik oft integriert in Familienpolitik? Werden kinder- und jugendrelevante Auswirkungen anderer Politikbereiche (bswp. Sozial-, Bildungspolitik oder Fremdenrecht) in ein stimmiges Gesamtkonzept eingebettet?
Erfreulich ist aus Sicht der BJV, dass sich nicht nur jene Bereiche und politische Entscheidungsträger/innen für jugendrelevante Fragestellungen zuständig und verantwortlich fühlen, in deren Name oder Funktionsbezeichnung auch explizit das Wort Jugend“ vorkommt. Dies ist darauf zurück zu führen, dass in den letzten Jahren seitens des Jugendministeriums, seitens der BJV und anderer relevanter Akteur/innen versucht wurde, Jugendpolitik als Querschnittsmaterie (im Gegensatz zu einer reinen Ressortpolitik) zu etablieren. Als gutes Ergebnis dieses Prozesses ist aus unserer Sicht zu werten, dass die BJV vermehrt von unterschiedlichen Ressorts in politische Prozesse eingebunden und als Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen zu Rate gezogen wird.
Aber: Das bloße Mitdenken“ von Jugend quer durch alle Sektoren und auf allen Ebenen reicht jedoch nicht aus, um essentielle Verbesserungen für Kinder und Jugendliche zu erzielen. Die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen müssen bei vielen dringend notwendigen Maßnahmen in den Mittelpunkt gestellt werden. Dies ist nur möglich, wenn Jugendpolitik auch als eigenständiger Bereich konzipiert ist und von allen Beteiligten als gleichrangig mit anderen Politikbereichen aufgefasst wird. Als Interessenvertretung, die nach wie vor oft auf ihren sozialpartnerschaftlichen Status pochen muss, sehen wir hier durchaus ein Entwicklungspotential für die österreichische Jugendpolitik.
Wenn es darum geht, wie Jugendpolitik arbeiten soll, streichen wir klar hervor, dass es um einen ganzheitlichen Ansatz gehen muss, der unterschiedliche Themenbereiche, die Einfluss auf die Lebenswelt junger Menschen haben, mit einbeziehen muss. Jugendpolitik hat weiters zur Aufgabe, entsprechende Rahmenbedingungen für Strukturen von und für Jugendliche aufrecht zu erhalten, zu schaffen und kontinuierlich zu verbessern. Nicht zuletzt geht es auch darum, das Bild von Jugend in Politik, Gesellschaft und Medien zu hinterfragen. Dieses ist oft von Extremen und Überzeichnungen geprägt: entweder werden Jugendliche auf Negatives, wie Komasaufen, Gewaltausbrüche oder schlechte Pisa-Ergebnisse, reduziert oder unter dem Motto Die Jugend ist unsere Zukunft!“ mit unrealistischen Erwartungen konfrontiert. Dabei ist stets zu bedenken, dass Jugend gleichzeitig gesellschaftliche Projektionsfläche und Spiegelbild der Gesellschaft – und damit auch heterogen – ist. Aktiv auf dieses öffentliche Bild der Jugend einzuwirken, ist aus Sicht der BJV ebenfalls eine der Hauptaufgaben von Jugendpolitik.
Jugendpolitik muss außerdem die gesamte Breite von Jugend einbeziehen (und nicht bspw. nur benachteiligte Jugendliche oder nur die besonders Privilegierten) und klar anwaltschaftlich für Jugendliche agieren.
Ein Schlüssel für das Gelingen dieses großen Anspruchs ist jedenfalls die vielfältige Beteiligung von Jugendlichen: das reicht von der Einbindung der BJV als Interessenvertretung bis hin zur direkten Beteiligung junger Menschen. Jugendpolitik kann immer nur so gut sein, wie es ihr gelingt, auch MIT Jugendlichen und nicht allein FÜR sie zu arbeiten.
(Thema des Monats August 2011)
Jugendpolitische Herausforderungen
Arbeitsmarktpolitik für Jugendliche von Mag.a Christine Holzer (BMASK)
Kindheit und Jugend Anfang des 21. Jahrhunderts (Mag. Karl Zarhuber)
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Literaturtipps