Jugendpolitische HerausforderungenJunge Menschen sind weltweit die wichtigsten Akteure für soziale Veränderung, ökonomische Entwicklung und technologische Innovation. Sie sollten daher unter Bedingungen leben, die ihre Vorstellungskraft, ihre Ideale, Energie und Visionen beflügeln zum Wohle ihrer Gesellschaft.“ Dieses Motto der Weltkonferenz der Jugendminister/innen von 1998 hat seine Gültigkeit behalten. Auch die inhaltlichen Schwerpunkte reflektieren bis heute relevante Prioritäten der Jugendpolitik. Es sind dies Bildung, Beschäftigung, Armut, Gesundheit, Umwelt, Drogen / Suchtverhalten, Jugendliche im Konflikt mit dem Gesetz / Jugendgerichtsbarkeit, Freizeitaktivitäten, Rolle von Mädchen und Burschen und nicht zuletzt die effektive Teilhabe von Jugendlichen am gesellschaftlichen Leben und an Entscheidungsprozessen. Dieses Spektrum deckt sich weitgehend mit den Inhalten der Kinderrechtskonvention. Die österreichische Jugendpolitik hat einige dieser Themen auf ihrer Agenda. Sie zeigen, dass Jugendpolitik eine typische Querschnittsmaterie ist. Denn viele der politischen Entscheidungen auf allen Ebenen – sei es Bund, Länder oder Gemeinden – betreffen Kinder und Jugendliche ebenso wie typische Themen der Jugendpolitik. Querschnittsmaterie“ heißt auch, dass die Wirkungen politischen Handelns oft unterschiedlich sind für junge und ältere Menschen so wie auf Männer und auf Frauen. Es ist daher wichtig zu fragen, was bedeutet z.B. ein Raumordnungskonzept für die Sicherheit von Kindern, für die Mobilität von Jugendlichen oder alten Menschen und für die Bequemlichkeit von motorisierten Frauen und Männern? Wie sehen die Zugangschancen zum Arbeitsmarkt für Jugendliche aus oder welche Gesundheitsprogramme eignen sich besonders für heranwachsende Mädchen und Burschen? Gender-Budgeting“ und Gender-Mainstreaming“ sind die neuen Ansätze, um dem Faktum der unterschiedlichen Lebenschancen von Männern und Frauen gerecht zu werden. Die spezifischen Auswirkungen politischen Handelns auf Mädchen und auf Burschen zu beachten, mögliche Zielkonflikte wahrzunehmen, sind zusätzliche Herausforderungen für Entscheidungsträger/innen. Jugendliche befinden sich in einer Zwischenwelt“ mit den vielfältigsten An- und Herausforderungen. Nicht mehr Kind, noch nicht erwachsen, ist gerade das jüngere Segment der Lebensphase Jugend“, die 14 – 18jährigen. Dieses weder noch“, dieses nicht mehr“ und noch nicht“ macht nicht nur den jungen Menschen selbst zu schaffen sondern auch jenen, die adäquate Programme für ihre Bedürfnisse entwickeln sollen. Wichtig ist für alle Akteure dabei, dass keine Maßnahme, kein Projekt allein für sie initiiert werden soll, sondern nur mit ihnen. Daher hat das Thema Partizipation einen zentralen Stellenwert in der internationalen und österreichischen Jugendpolitik. Die Europäische Kommission (Generaldirektion Justiz, Freiheit und Sicherheit) hat 15—18jährige Burschen und Mädchen aus allen 27 Mitgliedsstaaten befragen lassen, ob sie Kinderrechte kennen, wie sie die Umsetzung von Kinderrechten einschätzen, welche Erfahrungen sie bei der Suche nach Hilfe machten und wo für sie die wichtigsten Handlungsnotwendigkeiten liegen. In diesem Kinderrechte-Eurobarometer" (April, 2008) gaben 2/3 aller Jugendlichen an zu wissen, dass es spezielle Rechte für sie gibt, aber 3/4 von ihnen wissen nicht, wie sie diese verteidigen und wen sie dafür kontaktieren könnten. Daher gaben auch 88% an, dass das wichtigste, was auf europäischer Ebene getan werden sollte ist, Kinder mehr über ihre Rechte und Hilfssysteme zu informieren. Dabei sehen 70% das Internet als die beste Informationsquelle, danach kommt das TV (20%) und nur wenige (8%) glauben an Unterrichtsmaterialien. 2/3 der Befragten sind der Meinung, dass ihre Rechte gut gewahrt wären, aber 82% sagten auch, dass sie niemanden kennen würden, der je versucht hätte, seine/ihre Rechte durchzusetzen. Als wichtigste Politikbereiche wurden Bildung (74%), Sicherheit und Schutz vor Gewalt (43%), Gesundheit und Sozialschutz (40%) genannt. Wie bereits in der österreichischen Befragung (2007) wird auch in der europäischen Studie Gewalt gegen Kinder aus den drei Politikfeldern als dringlichstes Problem eingeschätzt. 23% sind der Meinung, dass die Regierungen einen Schwerpunkt in die Prävention von Gewalt setzen sollten und 20% nannten sexuelle Ausbeutung; an dritter Stelle steht mit 18% das Drogenproblem.
Jugendbeschäftigungspaket (Mag. Tanja Neubauer) Jugend unter Druck (Mag. Karl Zarhuber) (Thema des Monats August 2008) |
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