Das Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle - Eine Auseinandersetzung mit Recht und UnrechtVon Dr. Dorothea Steurer, Zentrum polis – Politik Lernen in der Schule (www.politik-lernen.at) 2007 soll das Thema Chancengleichheit in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Die EU-Kommission hat dieses Jahr zum Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle“ erklärt, um allen Menschen ihre Rechte auf Gleichbehandlung und ein Leben ohne Diskriminierung stärker bewusst zu machen. Darüber hinaus soll die Chancen¬gleichheit für alle – ob im Hinblick auf den Zugang zum Arbeitsmarkt, in der Schule, am Arbeitsplatz oder bei der Gesundheitsversorgung – gefördert sowie die Bedeutung von Vielfalt als Gewinn und wichtiger Faktor in Europa aufgezeigt werden. Alle Mitgliedstaaten sind aufgefordert, rund um vier Schlüsselthemen nationale Strategien und Prioritäten für das Europäische Jahr festzu-legen und spezifische Aktivitäten zu setzen. Die von der Kommission vorgeschlagenen Bereiche umfassen die Rechte auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung, Vertretung im Sinne einer Debatte über Möglichkeiten zur besseren gesellschaftlichen Einbindung von Gruppen mit Diskriminierungsopfern, die Anerkennung von Vielfalt sowie schließlich Achtung im Sinne der Förderung einer toleranten und solidarischen Gesellschaft. Das Hauptziel der EU-Kampagne ist in der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Recht auf Gleichbehandlung und Nicht-diskriminierung zu sehen. In diesem Kontext wird auch die Geschlechterdimension zu behandeln sein und bedeutet Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche ihre Lebens-bedingungen und Zukunftschancen zu verbessern mit dem Ziel sie unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft, dem Geschlecht, der Religion oder einer Behinderung an der gesellschaftlichen Entwicklung teilhaben zu lassen. Durch Art. 2 der Kinderrechtskonvention (KRK) ist ein umfassendes Diskriminierungsverbot von Kindern normiert. In der Praxis des Kinderrechtsausschusses der Vereinten Nationen kommt dabei der Frage der Diskriminierung auf Grund des Geschlechts eine wesentliche Rolle zu. Während zwar die Benachteiligungen von Mädchen im Vordergrund stehen (man denke nur daran wie viele Mädchen noch immer typische“ Frauenberufe ergreifen) und somit Maßnahmen zur Gleichstellung von Mädchen und Frauen weiterhin erforderlich sind, so beschäftigt sich die Geschlechterforschung auch zunehmend mit dem Thema männlicher Identität und die Buben- bzw. Burschenarbeit rückt immer mehr ins Interesse. Die KRK verlangt in Art. 2 Abs. 2 von den Vertragsstaaten, dass aktive Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung ergriffen werden. In dieser Bestimmung wird die Grundlage für die Zulässigkeit so genannter affirmative actions“ gesehen, die darin bestehen, dass bestimmte Gruppen von Kindern und Jugendlichen schwerpunktmäßig gefördert werden sollen, sei es im Bereich der Armutsbekämpfung, dem Schutz von Minderheiten oder der bestmöglichen Förderung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Während Konsens über das Diskriminierungsverbot der Kinder untereinander herrscht, auch wenn es in der Umsetzung noch viele Hürden gibt, wird die Frage der Generationengerechtigkeit, das heißt die gebotene Gleichwertigkeit und Gleichbehandlung von Kindern und Jugendlichen gegenüber Erwachsenen unterschiedlich gesehen und fehlt noch ein entsprechendes gesellschaftliches Bewusstsein. Das Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle bietet einen guten Rahmen auch im schulischen Kontext an der Sensibilisierung für Gleichstellungsfragen zu arbeiten. In Zusammenhang mit dem Thema Achtung verweist die EU-Kommission darauf, wie wichtig es ist, Stereotypen, Vorurteilen und Gewalt Einhalt zu gebieten und gute Beziehungen zwischen allen Mitgliedern der Gesellschaft und insbesondere jungen Menschen zu fördern.“ Vielfalt als Bereicherung zu erleben, der respektvolle Umgang mit-einander, gelebte Partizipation und die Umsetzung von Gender Mainstreaming sind nur einige Herausforderungen, die von Lehrerinnen und Lehrern in ihrer täglichen Arbeit als Chance für Veränderungen gesehen und ergriffen werden können. Die Aktionstage Politische Bildung, die im Jahr 2007 bereits zum fünften Mal österreichweit stattfinden und sich auch als Beitrag zum Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle verstehen, haben in diesem Jahr Gender | Gleichstellung | Geschlechtergerechtigkeit als Schwerpunkt gewählt. Im Rahmen der Aktionstage sind alle Interessierten – sowohl aus dem schulischen als auch außerschulischen Bereich, ebenso wie NRO und NPO, kulturelle Einrichtungen und Medien – eingeladen, sich mit einer Aktivität rund um diese Themen mit Blick auf die Politische Bildung zu beteiligen. Durch eine breite Palette an Angeboten soll gezeigt werden, was Politische Bildung zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen kann und soll Bewusstsein für Chancengleichheit geschaffen werden. Schon die Planung der Aktivitäten beispielsweise mit einer Schulklasse oder einer Jugendgruppe, die partizipativ erfolgt und ein Augenmerk darauf legt, Mädchen und Burschen in gleicher Weise einzubinden, kann dazu beitragen, ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen. Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen des Europäischen Jahres den Schwerpunkt einerseits auf die Rechte sowie Rechtsdurchsetzung für die von Diskriminierung Betroffenen zu legen und andererseits die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung für die Akzeptanz von Vielfalt und Chancengleichheit und gegen Diskriminierung zu forcieren. Junge Menschen sollten dabei aus meiner Sicht besonders darin gestärkt werden, sich mit Recht und Unrecht auseinanderzusetzen. An den VerantwortungsträgerInnen wird es liegen, ein Bewusstsein für die Gleichwertigkeit von Kindern und Jugendlichen zu schaffen und ihre Zukunftschancen im Sinne der Vielfalt und Chancengleichheit zu verbessern. (Thema des Monats März 2007) |
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