Kindern mit Respekt begegnen
Mag. Michaela Zimmermann, Stv. Leiterin des Fachbereichs Jugend/Pädagogik der Stadt Wien, Magistratsabteilung 13, Referentin für Partizipation, Gender und Diversität.
Wertschätzung und Entwicklung
Respekt ist eine innere Haltung, die sich dadurch äußert, einen anderen Menschen ohne Bedingungen und Vorbehalte zu akzeptieren und wertzuschätzen. Respekt kann nicht erzwungen werden, sondern entsteht aufgrund von Erfahrungen und Erkenntnissen im Umgang miteinander. Respektiert zu werden, d.h. Anerkennung und Wertschätzung zu erfahren, ist eine wichtige Voraussetzung für uns, um uns wohl zu fühlen - nicht nur in der Kindheit sondern beispielsweise auch im Arbeitsalltag.
Respektvolles Miteinander, d.h. wechselseitige Achtung, ist die Basis einer gesunden persönlichen Entwicklung, gerade in Bezug auf Eigenschaften, die später im Berufsleben entscheidend sind, wie z.B.: Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, Eigenständigkeit, Kontaktfähigkeit, Lern- und Leistungsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Kreativität und Autonomie.
Kinder kennen das Wort Respekt sehr gut. Oft verbinden sie damit Verhaltensregeln, die Erwachsene für sie festgelegt haben und von ihnen erwarten. Kinder sind jedoch auch kritisch und souverän und werden – was das Wissen um ihre Rechte und ihre Erwartungen an das Verhalten der Erwachsene betrifft – nicht selten unterschätzt.
Wie Kinder das Wort Respekt“ erklären:
… nicht zurückreden", … nicht frech sein", … nicht streiten"
… nicht schimpfen", … nicht anfauchen“, … nicht anschreien“
… niemanden beleidigen", … niemanden hauen“, … niemanden bedrohen“
… nichts Schlimmes machen"
… Bäume nicht gleich absägen“
… lieb sein", … nett sein", … freundlich sein ", … höflich sein“
… zuhören", … Verständnis haben“, … gut verstehen"
… teilen", … Menschen helfen"
… trösten, wenn jemand traurig ist“
… ein Nein’ respektieren“
… Meinungen anderer Menschen gelten lassen"
… Respekt vor älteren Menschen haben"
… Akzeptieren von anderen Menschen, Religionen, Kulturen, …"
Kinderrechte und Alltag
Kinder sind Kinder sind Kinder. Gut so!“ lautet das Motto der Sensibilisierungskampagne der MA 13 in Kooperation mit der Wiener Kinderplattform, die sich für mehr Respekt im Umgang mit Kindern, für ein aufmerksames Miteinander, einsetzt.
Wenn Kinder lieb, leise und brav sind, mögen wir sie. Wenn Kinder sich gut benehmen, nicht zurück reden und den älteren Fahrgästen den Sitzplatz überlassen, zeigen sie uns Erwachsenen, dass sie uns respektieren, dass sie gut erzogen sind. Wenn Kinder solche Kinder sind, dann ist das Gut so!“. Dann kommen Kinder und Erwachsene gut miteinander aus.
Zappeliges, lautes oder gar freches Verhalten dagegen löst nicht selten Ärger und Missbilligung aus und oft lassen Sanktionen nicht lange auf sich warten. Erwachsene legen die Normen des Alltags fest und geben die Regeln des Zusammenlebens vor. Sie begegnen Kindern nicht auf gleicher Augenhöhe, sondern erwarten einseitigen Respekt. Zeigt sich dieser nicht, wird er eingefordert – mit bösen Blicken, Zurechtweisung oder auch Androhung von Gewalt. Die Rechte der Kinder werden dabei oft missachtet.
Räume und Tagesabläufe werden von Erwachsenen gestaltet und bieten Kindern oft nicht ihrer Entwicklung entsprechend Platz und Zeit. Der Lebensraum, den die Generationen sich teilen, ist beschränkt, insbesondere in der Großstadt, die viele Möglichkeiten bietet, aber in Bezug auf persönliche Interessen und Bedürfnisse auch einschränkt. Umso auffälliger ist es, wenn Kinder sich im geteilten Raum nicht wie Erwachsene verhalten, wenn sie die Welt anders erleben, anders begreifen und anders erobern. Wenn sie sich anders artikulieren und anders bewegen, in ihrer Vielfalt, Verschiedenheit und Einzigartigkeit. So, wie Kinder sind. So, wie es ihrer kindlichen Art entspricht. So, wie wir selbst in unserer Kindheit waren oder wir uns gewünscht haben, sein zu dürfen. Aber das haben wir längst vergessen. Trotzdem meinen viele, sich an die Jugend von damals“ zu erinnern. Die guten, alten Zeiten besserer Manieren der Jugend werden zitiert, eine Jahrhunderte alte Tradition, die weder zutrifft noch hilfreich ist und als solche nicht wahrgenommen wird. Niemand sagt über die Jugend von heute, dass diese als positives Vorbild für die Jugend von morgen fungieren wird.
Respekt und Kinder und Jugendarbeit
Die Wiener Kinder- und Jugendarbeit setzt sich für die Interessen, Bedürfnisse und Rechte der jungen Menschen in der Stadt ein und leistet einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Die Angebote orientieren sich an den individuellen Lebenswelten und Ressourcen (Fähigkeiten, Stärken) der Dialog-/Zielgruppe und werden auf freiwilliger Basis genutzt. Der Vielfalt und Verschiedenheit der Kinder und Jugendlichen wird durch ein breites, vielfältiges Angebot Rechnung getragen, das die unterschiedlichen Stärken, Interessen und Anliegen anspricht - von Kinder- und Jugendzentren, mobiler/aufsuchender Arbeit, Info-Services über Ferienspielaktionen bis hin zur freizeitpädagogischen Parkbetreuung“.
Die Kinder und Jugendlichen werden als Expert/innen ihrer Lebenswelt ernst genommen und in ihrer Teilhabe und Mitbestimmung gefördert. Die Begegnung erfolgt auf gleicher Augenhöhe in gelebter Demokratie mit gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung. Kreatives/künstlerisches Gestalten, Spiel und Sportaktivitäten finden genauso statt wie Projektarbeit, individuelle Beratung und Einzelfallhilfe.
Die Kinder- und Jugendarbeit ist ein Ort der Begegnung, des sozialen Lernens, der selbstbestimmten und nicht-kommerziellen Freizeitgestaltung und der individuellen Entfaltung. Sie trägt zur Verbesserung der Lebenssituation, zur Erweiterung der Handlungsspielräume und zur Förderung von Autonomie und Chancengleichheit bei. Die Wiener Kinder- und Jugendarbeit setzt sich dafür ein und lebt erfolgreich vor, wie man Kindern mit Respekt begegnet, wie man durch Wertschätzung zur gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beiträgt und wie man Kinderrechte im Alltag umsetzt.
Weitere Infos: www.bildungjugend.wien.at
(Thema des Monats März 2008)
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Literaturtipps