Zur Entwicklung von kindgerechten Strukturen in VorarlbergMag. Carmen Feuchtner, Welt der Kinder“ Vorarlberg kann in Bezug auf Bewusstseinsbildung, Verankerung und Umsetzung von Kinderrechten auf fruchtbare Jahre zurückblicken. Ich gehe hier der Frage nach, wie sich diese Entwicklung aus der Perspektive einer zivilen Initiative – Welt der Kinder, Organisation und Netzwerk für Kinderrechte (seit 1999) - darstellt und ob eine solche Entwicklung auch für andere Regionen modellhaft sein kann. Die Vielzahl von Aktivitäten der Landesregierung und von Nichtregierungsorganisationen, die entweder gemeinsam durchgeführt wurden, oder die sich aufeinander beziehen, ergab eine starke Dynamik. Was als eine bloße Auflistung von kinderrechtlich relevanten Ereignissen gelesen werden kann, bildet einen Prozess und Dialog zwischen unterschiedlichen Akteuren ab, zu denen erfreulicherweise die Kinder selbst gehören: Sie wurden ab dem Jahr 2003 in den Gesamtprozess durch Kinderbeteiligungsprojekte eingebunden und damit aktiv zu Impulsgebern. Einzelne Projekte sind auf den Websites der unterschiedlichen Akteure dokumentiert. Kontext dieser Aktivitäten Diese Fülle an Aktivitäten und Maßnahmen wurden in Vorarlberg gesetzt, einer überschaubaren Region mit 380.000 Einwohnern, von denen 80 % im Rheintal leben (Bregenz - Feldkirch: 35 km). Es ist so ein Geschehen in Gang gekommen, das einerseits ermutigt und auch in die Nachbarschaft ausstrahlt (z.B. bestehen enge Kontakte in den süddeutschen Raum und in die Schweiz), dessen Erfolg aber nur in der langen Dauer einzuschätzen ist. Als positive Größen nehme ich in diesem Prozess wahr:
Neben der weiteren Einflussnahme auf die öffentliche Meinung im Sinne einer kinderfreundlichen Gesamtstimmung sind wichtige Handlungsfelder nur mittel- bis langfristig zu beeinflussen, auch ist vieles davon nicht auf Landesebene alleine zu lösen. Handlungsbedarf besteht vor allem im Bildungsbereich: Die Chancen von Kindern mit Migrationshintergrund müssen weiter verbessert werden, im Zusammenhang damit stehen neben den bereits laufenden Maßnahmen in der Elternbildung eine geschlechtssensible Verbesserung der Nachmittagsbetreuung der Kinder und meiner Einschätzung nach auch eine Aufnahme muttersprachlichen Unterrichts, um die Ressourcen der Zweisprachigkeit zu stärken und daraus nicht Defizite zu machen. In Vorarlberg laufen derzeit vielfältige Bemühungen zur Stärkung des zivilen Engagements in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund sowie Bemühungen um eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter Berücksichtigung der Kinderrechts-Perspektive. Viel Potential würde in einer Veränderung der Ausbildung von Kindergartenpädagog/innen liegen. Innerhalb weniger Jahre sind die Anforderungen und die Vielfalt des Berufsbilds stark gestiegenen, was sich in der Ausbildungssituation und auch in der Leistungsvergütung noch nicht ausreichend niederschlägt. Die Ausbildung sollte ein Hauptaugenmerk auf die Befähigung zur Gleichwürdigung von Kindern gelegt werden - von Anfang an - und Beteiligungsstrukturen für Kinder und Eltern nach dem Vorbild der Early Excellence Centres / Pen Green etablieren. In diesem Zusammenhang sollte auch die Arbeit von Eltern und Pädagog/innen im öffentlichen Diskurs weiter stark aufgewertet und vor allem die Kooperation zwischen diesen beiden Gruppen gefördert werden, den Pädagog/innen punktuell auch eine aufsuchende Elternarbeit ermöglicht werden. Welche Tendenz zeigt sich in diesem Wechselspiel von Maßnahmen der Regierung, NGO-Initiativen und Umfeldfaktoren? Welche Schwerpunkte zeichnen sich in der weiteren Arbeit ab? Was ist erforderlich, um eine vergleichbare Dynamik in Gang zu bringen? Meiner Einschätzung nach begründet sich die Dynamik der letzten Jahre in der Wechselwirkung aus folgenden Einflussgrößen: Zunächst erfolgten stetige Impulse durch die Kinder- und Jugendanwaltschaft seit dem Jahr 1992, die sich mit den Impulsen der NGO’s verstärkten. Eine dichtere Vernetzung erfolgte u.a. über die Durchführung eines gemeinsamen jährlichen Symposiums und durch gemeinsame Aktionen der NGO’s in der Öffentlichkeit. Die Politik wiederum nahm dieses Engagement an und verstärkte es, vor allem aber gab sie es an die Zivilgesellschaft in Form eines Bürgerbeteiligungsprozesses und der Ermöglichung von Kinder- und Jugendbeteiligung zurück. Das Wahljahr 2004 muss hier auf vielfältige Weise als Weichensteller verortet werden – auch der starke Rückgang der Wahlbeteiligung um 27 % wirkte möglicherweise darauf ein, dass für Beteiligungsprojekte mehr Mittel zur Verfügung gestellt wurden. Die Intensität, mit der der Prozess Kinder in die Mitte in der Öffentlichkeit präsent war, beinhaltet das Risiko einer Gegenreaktion und machte es den NGO’s zum Teil eher schwer, mit der eigenen Arbeit medial wahrgenommen zu werden. Insgesamt hat die starke Medienpräsenz das Thema aber sicher gestärkt. Starkes ziviles Engagement im Bereich Kinderrechte Traditionell entstanden Einrichtungen im Bereich der Sicherung von Kinderrechten aus einem zivilgesellschaftlichen Engagement, das von Regierungsseite in der Folge jeweils Unterstützung fand. Vorarlberg entwickelte eine sehr spezifische Form sozialpartnerschaftlich gestützter Konkordanzdemokratie mit Vertretung der NGO’s u.a. im Sozialfonds und im Arbeitgeberverband der Sozialeinrichtungen. Die Entwicklung von Qualitätsstandards und -sicherung erfolgt gemeinschaftlich durch GO’s und NGO’s. Auch der Prozess Kinder in die Mitte“ wurde in diesem Sinn partnerschaftlich zwischen beiden Sektoren vorbereitet und begleitet. Das Projekt wurde aber im Regierungsbereich angesiedelt – eine Entwicklung, die auf eine gesamtgesellschaftliche Tendenz verweist. Im Wahljahr 2004 (Neuwahl des Bundespräsidenten und des Landtags) wurde die Kinderrechtskonvention mit Unterstützung aller Parteien in der novellierten Landesverfassung (Artikel 8) verankert. Im selben Jahr begann ein Bürgerbeteiligungsverfahren, das im Projekt Kinder in die Mitte“ mündete. Die Servicestelle für Fragen der Zuwanderung und Integration okay.zusammen.leben wurde ebenso gegründet wie die Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung invo. Bereits im Jahr zuvor war mit Kids Guernica ein sehr umfangreiches Projekt von der Landesregierung co-finanziert worden, das Kindern eine Stimme und Präsenz im öffentlichen Raum gab. Im Sommer hatten 2000 Kinder an diesem Foto- und Kunstprojekten mitgewirkt, elf großflächige Bilder waren im öffentlichen Raum ausgestellt. Der Verein Welt der Kinder wurde im Jahr 1999 mit dem Ziel gegründet, Lobbying für Kinderrechte zu machen. Diese Initiative wurde von Anfang an als Netzwerkarbeit, als Kooperation von NGO’s konzipiert, von den großen Sozialeinrichtungen und zwei Bildungshäusern des Landes mitgetragen. Alle genannten Organisationen sind selbst in vielfältiger Weise Impulsträger für soziale Veränderungen im Land: Ab Oktober 2000 führten wir in diesem Netzwerk die Symposia Kindheit und Trauma durch, Foren für interdisziplinären und internationalen Austausch. Von Beginn an wurde der Kinderrechtsschwerpunkt berücksichtigt. Nach einer Serie von sechs Symposia gingen wir den Schritt, aus dem Wissen um Ursachen und Folgen belastender Situationen für Kinder heraus Fragen der Prävention zu adressieren: Bei den Symposia Kindheit und Gesellschaft geben wir dazu umfassend Gelegenheit.
"Kinder in die Mitte" - Miteinander der Generationen |
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