Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus KindersichtWerden die Bedürfnisse und Wünsche von Kindern und deren Eltern in unserer von ökonomischen Zwängen dominierten Gesellschaft wahrgenommen? Werden die Anforderungen der Arbeitswelt an die Eltern mit den Anliegen der Kinder abgestimmt? Die Kinder beklagen, dass wenig Zeit in der Familie bleibt für gemeinsame Gespräche und Mahlzeiten, sie bekommen die Zeitnot und den Stress der Erwachsenenwelt schon früh zu spüren. Als Reaktion auf die gesellschaftlichen Entwicklungen steht europaweit Kinderbetreuung hoch auf der politischen Agenda. Ein ausreichendes Angebot an Betreuungsplätzen soll in erster Linie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Eine Vielzahl an Motiven und Zielen … Viel wird davon erwartet: gut ausgebildete Frauen bleiben dem Arbeitsmarkt erhalten, dies ist wirtschaftspolitisch relevant. Selbstverständlich ist die Möglichkeit für Eltern, die Familienarbeit mit der Erwerbsarbeit leichter verbinden zu können, frauenpolitisch höchst wichtig, da es ja in erster Linie Frauen sind, die sich meist für das eine oder das andere entscheiden mussten. Wenn diese Notwendigkeit zur Entscheidung gegen den Kinderwunsch ausgeht, ist dies wiederum bevölkerungspolitisch relevant. Wie aus Ländern mit einer guten Betreuungsinfrastruktur bekannt ist, haben diese eine höhere Geburtenrate als Länder mit weniger attraktiven Angeboten. Dann ist die Frage sozialpolitisch relevant, weil die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mehr Erwerbseinkommen für die Familie ermöglicht und die Armutsrate besonders dann hoch ist, wenn mehrere Familienmitglieder von nur einem Einkommen oder, im Fall von Alleinerzieher/innen, oft ohne leben müssen. Und nicht zuletzt wird es auch bildungspolitisch immer wichtiger, dass das Niveau der Kinder bei Schuleintritt gleichmäßig und v.a. auch hoch ist. Kinderrechtlich relevant…? Die beiden letzten Argumente für externe Kinderbetreuung sind unmittelbar kinderrechtlich relevant. Denn die Vermeidung von Kinderarmut ist ein wichtiges Ziel der KRK ebenso wie die Chancengerechtigkeit im Bildungssystem, mit der die Lebenschancen von Kindern verbessert werden sollen. Im Unicef-Bericht "The child care transition" heißt es einleitend, dass sich die Kindheit in den reichen Ländern der Welt gerade stark verändert. Denn die heranwachsende Generation ist die erste, in der auch ein Großteil der ganz kleinen Kinder viel Zeit in Einrichtungen verbringt. In den OECD-Ländern werden fast 80 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen in der einen oder anderen Form außerhäuslich betreut. Von den unter Dreijährigen sind es durchschnittlich 25 Prozent, in manchen Ländern über 50 Prozent - das von allen EU-Mitgliedsstaaten angestrebte Barcelona-Ziel ist 33 Prozent. Auch die Zahl der unter Einjährigen, die einen Teil des Tages nicht von den Eltern betreut werden, steigt kontinuierlich. Damit der Wechsel in der frühkindlichen Betreuung und Erziehung sowohl für die Lebensqualität der Kinder als auch für die Gesellschaft ein Vorteil und kein Rückschlag wird, sind hohe Anforderungen an die Einrichtungen und damit an die Politik gestellt. Denn soviel ist bewiesen: eine liebevolle, stabile, sichere und stimulierende Beziehung mit den Betreuungspersonen in den ersten Lebensjahren ist für jeden Aspekt in der Entwicklung eines Kindes ganz besonders wichtig. Gute Standards sind daher besonders wichtig, soll das Recht des Kindes auf optimale Bedingungen zur vollen Entfaltung, wie es der Art. 29 der KRK vorsieht, umgesetzt werden. (Thema des Monats März 2010) Vorteile und Gefahren früher außerhäuslicher Betreuung |
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