Recht auf Freizeit, Spiel und Spaß
Das Thema Stress wird meist dem Alltag und den Lebensumständen der Erwachsenen zugeschrieben. Dass in mindestens ähnlichem Ausmaß auch Kinder und Jugendliche mit Stress, genau genommen zu viel Stress leben müssen, wird in vielen Fällen leider unter den Tisch gekehrt.
Eine wesentliche Rolle in Bezug auf schulischen Stress spielt das mangelhafte oder noch nicht ausgeprägte Selbst- bzw. Zeitmanagement der Kinder. Der Siebenjährige besucht neben der Schule noch den musikalischen Einzelunterricht, geht ins Karatetraining und womöglich noch zur Frühförderung für Sprachbegabte. Der gute alte“ Spielplatz wird – wenn überhaupt – auf das Wochenende verschoben. Die Älteren treffen sich mit Freunden/-innen, besuchen ein Konzert oder gehen noch ins Kino und schon stehen sie – mit den Arbeiten für die Schule – unter erhöhter Stressbelastung. Nebenbei steigen die jährlichen Ausgaben für Nachhilfe ins Uferlose.
Mit diesen Beispielen im Hinterkopf wird es verständlich, wenn zwei Drittel der österreichischen Schüler/innen angeben, zu wenig Freizeit zu haben und knapp ein Drittel sich mit dem schulischen Druck stark überfordert fühlt.
Auch Eltern machen Druck
Aber auch die Eltern beeinflussen in gewissen Fällen in problematischer Weise das Selbstmanagement ihrer Heranwachsenden. Die klassischen schlechtesten Beispiele sind, Entbehrungen der eigenen Kindheit zu kompensieren oder vielleicht sogar erlebte Misserfolge wieder gut zu machen. Dadurch bereiten sie den Kindern bewusst oder unbewusst zusätzlichen Druck und psychische Belastung. Unter dem Motto Du sollst es einmal besser haben und mehr erreichen“ pushen die Erwachsenen ihre Sprösslinge zu schulischem Erfolg, aber auch in viel zu viele außerschulische Aktivitäten. Auf die Faktoren Persönlichkeit, Bedürfnisse sowie Freiwilligkeit des einzelnen Kindes, ja sogar auf den Entwicklungsprozess, wird schlichtweg vergessen. Dabei sollte das gleichberechtigte Zusammenwirken von elterlichen und kindlichen Bedürfnissen grundsätzlich im Vordergrund stehen.
Stressfaktor Schule
Einen weiteren Faktor, der gewichtig eingreift, bilden die schulischen Bezugspersonen: Lehrer/innen, die so manchem Kind scheinbar unüberwindbare Aufgaben stellen, persönliche Stärken und Schwächen ihrer Schützlinge nicht beachten bzw. erkennen oder schlicht aufgrund von Stundenkürzungen weniger Zeit für die Kinder haben als früher. Aus aktuellem Anlass (PISA-Studie) kommt man momentan in Österreich um das große Fragezeichen zum Thema Bildung nicht herum – auf alle Fälle aber muss das heutige veraltete Bild des/der Lehrers/-in als reiner Wissensvermittler abgeändert und zu Gunsten der Schüler/innen auf weitere Kompetenzen wie Beratung, Organisation, Teamfähigkeit, etc. ausgeweitet werden.
Bringt modernes Leben“ wirklich nur Erleichterung?
Nicht unbeachtet darf man allerdings auch das heutige moderne Leben bzw. die neu organisierte Familie, wo beide Elternteile berufstätig sind, lassen. Hier spielen die neuen Medien wie Computer und Internet eine große Rolle. Positiv gesehen erweitern diese den Horizont jedes einzelnen Kindes in Form eines riesigen Wissenspools, die negative Seite birgt jedoch auch Gefahren in Bezug auf Manipulation, Kriminalität, Pornografie, soziale Verarmung, etc. und kann insofern Auslöser für psychosomatische sowie psychische Probleme sein.
Auch ein stark verbessertes Fernsehprogramm, das für jugendliche Seher optimiert wurde, bzw. eigene Sender, die sich auf einzelne Altersgruppen spezialisiert haben, sind ein häufiger Grund für unerledigte Arbeiten und in weiterer Folge mehr Stress für die Kinder. Nebenbei müssen dann auch noch Arztbesuche, die Mithilfe im Haushalt oder sonstige Erledigungen mit Schule und Freizeit unter einen Hut gebracht werden und beanspruchen Zeit, die sowieso schon knapp genug ist.
Wie viele Wochenstunden“ kann man also Kindern zumuten?
Wie lässt sich die erhöhte Sressbelastung reduzieren?
Was können Eltern beitragen, um die Prozesse der Kinder nicht zu stören oder zu sehr zu bestimmen?
(Thema des Monats Juli 2006)
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Experten/-innenstimme