"Kindergerechter Wohnbau"
(Auszug aus der Broschüre Kindergerechter Wohnbau“, Hrsg. vom Kinderbüro Steiermark, erscheint im Herbst 2007)
Welche Kriterien sind entscheidend, wenn von kindergerechtem Wohnbau gesprochen wird?
Anhand folgender Fragen kann überprüft werden, inwieweit Mädchen und Buben bei der Planung und Gestaltung ihres Zuhauses mitbedacht werden.
PLANUNG
Haben Kinder Raum sich zu entfalten?
- Können sich Kinder frei bewegen?
- Gibt es genügend Rückzugsmöglichkeiten?
- Wird kindliches Spielen als notwendige Aktivität akzeptiert?
Können Kinder Spuren in ihrem Umfeld hinterlassen?
- Werden Kinder in die Planung eingebunden?
- Können Kinder ihr Umfeld gestalten?
- Ist die Umgebung der Kinder abwechslungsreich und spannend gestaltet?
Werden Kinder in ihrer Selbständigkeit unterstützt?
- Werden Kinder durch bauliche Maßnahmen unterstützt, ihr Umfeld zu erobern?
- Können sich Kinder in ihrer Umgebung orientieren?
- Wird der Bewegungsdrang der Kinder durch Autoverkehr eingeschränkt?
- Können Kinder innerhalb der Siedlung Kontakt zu anderen Kindern knüpfen?
- Gibt es in der Siedlung ein hohes Sicherheitsempfinden?
- Werden alle für Kinder nicht erkennbaren Gefahren entschärft?
Wird Familien das tägliche Leben erleichtert?
- Gibt es Entspannungsmöglichkeiten innerhalb der Siedlung?
- Wird die Kommunikation innerhalb der Siedlung gefördert?
- Gibt es eine gute Infrastruktur?
- Ist Spielen anerkannter Bestandteil von Wohnen?
Beteiligung von Kindern an der Planung (Betrifft vor allem die Freiraumplanung)
- Werden Kinder während der Planung beteiligt?
- Werden die Erkenntnisse aus der Planung mit Kindern verbindlich in das Projekt eingearbeitet?
- Sind die Methoden so gewählt, dass sie realitätsnah und für Kinder spannend sind?
- Werden die Planungsmethoden dem Alter der Kinder und Jugendlichen angepasst?
WOHNUNG
Raumkonzeption
- Gibt es eine Vielzahl an Wohnungsgrundrissen?
- Gibt es großzügige, gleichwertige und helle Individualräume für jedes Familienmitglied?
- Lassen sich Wohnungen nachträglich von den Bewohner/innen verändern?
- Sind Aufenthaltsräume so groß, dass sie verschiedenen Nutzungen dienen können?
Die Räume
- Gibt es einen zentralen Gemeinschaftsbereich, in dem sich alle Familienmitglieder treffen können?
- Sind einige Individualräume mit einer Schallschleuse wie Vorraum, Bad oder Abstellraum vom Familienraum getrennt?
- Gibt es einen geräumigen Vorraum, der Garderobe und Abstellflächen Platz bietet?
- Gibt es eine Terrasse oder Balkon?
- Ist ein großzügiger Abstellraum innerhalb der Wohnung vorhanden?
- Ist das Badezimmer groß genug, um allen Anforderungen einer Familie gerecht zu werden?
- Ist eine gute Schalldämmung (auch innerhalb der Wohnung) gewährleistet?
- Ist die Wohnung gut zu lüften?
- Sind Gefahren, die für Kinder nicht erkennbar sind, entschärft?
- Ermöglichen die Fenster eine Kontaktaufnahme durch die Kinder zum Wohnumfeld?
Diese und weitere Fragen werden in der Broschüre genauer erläutert und auf die Bereiche Wohngebäude, Außenbereich und Wohnumfeld erweitert.
Zum Thema Außenbereich oder Freiraumgestaltung sei auf das Spielplatzbuch des Landes Niederösterreich verwiesen. Darin finden sich zahlreiche Beispiele für gelungene Spielraumplanungen.
Besondere Betrachtung verdient das Thema Wohnen im Zusammenhang mit der Jugendwohlfahrt. Wie müssen Wohnräume für Kinder und Jugendliche gestaltet sein, die im Rahmen einer Maßnahme in sozialpädagogischen Einrichtungen untergebracht sind. Können Räume so gestaltet sein, dass Mädchen und Buben aufgrund der besonderen Architektur zusätzliche Geborgenheit und Schutz erfahren? Ein eigener Beitrag mit dem Titel Netz und Nest"- Ein Ort für Kinder, die nicht zuhause wohnen können. Gestaltung eines Wohnumfeldes für Kinder in der Stadt“ findet sich in der Dokumentation der Vortragsreihe Architektur-Kinder(T)Räume, die im Wintersemester an der TU-Graz stattfand.
(Thema des Monats August 2007)
Lebensraum für Kinder
Monika Zachhuber: Lebensraum für alle - kontruktive Konfliktlösung
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Literaturtipps