Armut ist relativWie kann man in einem der reichsten Länder der Welt von Armut sprechen? Armut ist in unseren Köpfen häufig mit Bildern von der Not in Entwicklungsländern verknüpft, mit Obdachlosigkeit, Hunger, Krankheit, Analphabetismus, Kinderarbeit, Krieg und Gewalt. Es ist leicht, Armut inmitten des wohlhabenden Europa, in unserer Konsumgesellschaft zu übersehen. Und dennoch gibt es auch in der industrialisierten Welt Armut, denn diese misst sich v.a. im Vergleich: Wenn z.B. fast alle Kinder in den Ferien einmal für ein paar Tage wegfahren, dann fühlen sich jene arm, die davon zu Schulbeginn nicht berichten können. Wenn die Schulkollegen hauptsächlich über Handy und Internet kommunizieren, dann ist es für jene schwierig dabei zu sein, die sich diese Kommunikationsmittel nicht leisten können. Soziale Teilhabe ist nur möglich, wenn die Möglichkeiten für alle in etwa ähnlich sind. Welche Kriterien (Indikatoren) nun relevant sind, dass man von Armut sprechen kann, drücken die Umstände aber auch die Werte einer Gesellschaft aus. Unbestritten (weil vergleichsweise einfach messbar und daher wissenschaftlich praktikabel) ist, dass jemand, der weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens in einem Land zur Verfügung hat, armutsgefährdet ist. Kommen dann noch zwei oder mehr Probleme in einem zentralen Lebensbereich dazu, dann spricht man von manifester Armut. Kinder tragen ein größeres Armutsrisiko In der Europäischen Union sind Kinder einem größeren Armutsrisiko als Erwachsene ausgesetzt (19 % gegenüber 16 %). Auch in Österreich sind Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre mit 15 % gegenüber 12,4 % in der Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich armutsgefährdet. Sie machen über ein Viertel (26%) aller Armutsgefährdeten aus. Kinder sind in Österreich noch kein Armutsrisiko. Dieses entsteht erst, wenn mehrere Faktoren zusammen kommen: Die Armutsgefährdung steigt bei Kindern in Haushalten mit drei und mehr Kindern auf 19 %, Kinder in Haushalten von Alleinerziehenden haben ein Armutsrisiko von 32 %; und in Haushalten von nicht erwerbstätigen Alleinerzieherinnen ist sogar jede zweite Person (47%) armutsgefährdet. Jedes dritte armutsgefährdete Kind kommt aus einer Familie mit Migrationshintergrund (32 %); bei diesen Familien verfestigt sich Armut besonders häufig. Und auch die Arbeitslosenrate von Jugendlichen erhöht das Armutsrisiko der jungen Menschen. Europäische Plattform gegen Armut und soziale Ausgrenzung Im Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung (2010) haben die Staats- und Regierungschefs die EU-Strategie Europa 2020 beschlossen. Sie hat die Bekämpfung der Armut in Europa zum Ziel und fokussiert auf die Bekämpfung der Kinderarmut. (Thema des Monats Jänner 2012)
Kinderarmut mitten im Wohlstand |
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