Gesunde Kindheit - ein KinderrechtDie Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit an sowie auf Inanspruchnahme von Einrichtungen zur Behandlung von Krankheiten und zur Wiederherstellung der Gesundheit. Die Vertragsstaaten bemühen sich sicher zu stellen, dass keinem Kind das Recht auf Zugang zu derartigen Gesundheitsdiensten vorenthalten wird.“ heißt es im Art. 24, Abs. 1 der KRK Das Recht auf Gesundheit ist keineswegs nur eine Herausforderung in Entwicklungsländern. Sicher, in unseren entwickelten Wohlfahrtsstaaten verhungern keine Kinder und ein dichtes Netz an ärztlichen Diensten und Vorsorgeuntersuchungen gewährleistet im internationalen Vergleich hohe Standards im Gesundheitssystem. Gesundheitsvorsorge ist der Leitgedanke Umgesetzt wird er in Österreich mit dem Mutter-Kind-Pass-Programm, schulärztlichen Untersuchungen bis zum Ende der Schulpflicht, Impfprogrammen, Lehrlingsuntersuchungen, Zahnstatuserhebungen und -prophylaxe, Unfallprävention, Gesundheitserziehung zu den Themen Ernährung, Bewegung, Rauchen, Drogen, HIV/AIDS und psychische Gesundheit. Mit Projekten wie "Gesunde Schule" oder "Eigenständig werden" soll die Gesundheitsförderung in Österreichs Schulen nachhaltig verankert werden. Österreich beteiligt sich am Europäischen Netzwerk gesundheitsfördernder Schulen, das die persönliche Kompetenz der Schüler/innen zu gesundheitsbewusstem Verhalten fördern will. Das 1998 beschlossene Gesundheitsförderungsgesetz bildet die rechtliche Basis für umfassende präventive Aktivitäten. Denn ein gutes Gefühl für den eigenen Körper und Eigenverantwortung sind die Grundlagen, die von der Schule wie in der Elternbildung vermittelt werden müssen. Gesundheitsförderung und Stärkung sozialer Kompetenz gehen Hand in Hand. Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit 1986 definierte die WHO in der Ottawa Charta Gesundheit in einem umfassenden Sinn als körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden. Wie sieht es mit der Gesundheit von Kindern nach diesem Konzept aus, das soziale und individuelle Ressourcen ebenso betont wie körperliche Fähigkeiten? Verschiedene Studien zeigen, dass Gesundheit und Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen eng mit der sozialen Lage ihrer Familien zusammenhängen, aber auch mit ihrer Zufriedenheit in der Schule bzw. mit dem Arbeitsplatz und der sozialen Integration in Gleichaltrigengruppen (HBSC 2007).
Zu den wichtigsten gesundheitlichen Problemen gehören in Österreich wie in anderen Industriestaaten die Folgen von Fehlernährung, Bewegungsmangel (v.a. bei Mädchen) und Suchtmittelkonsum. 20 % der Buben und 18 % der Mädchen im Pflichtschulalter sind übergewichtig und 41 % der 15Jährigen fühlen sich zu dick (2006). Essstörungen (Adipositas, Bulimia nervosa, Anorexia nervosa und Binge Eating). Fast ein Drittel der Wiener Volksschüler/innen hat Haltungsfehler (viele Kinder können nicht mehr rückwärts gehen oder auf einem Bein hüpfen). Jedes achte Kind hat potenziell durch Lärm verursachte Gehörschäden. Etwa ein Viertel der 11-17jährigen hat Gewalterfahrungen (als Täter, Opfer oder beides). Der subjektive Gesundheitszustand der 11-15Jährigen nimmt mit dem Alter ab, psychische Probleme und Risikoverhalten zu. Das Erstkonsumalter für den Konsum von Nikotin (24 % der Burschen und 30 % der Mädchen rauchen), Alkohol (41 % der Burschen über 15 Jahre und 36 % der Mädchen trinken regelmäßig Alkohol) und illegalen Drogen sinkt bei Burschen und Mädchen. Mädchen mit nur geringer Schulbildung haben ein höheres Risiko einer frühen Schwangerschaft, das Risikoverhalten von Jugendlichen aus sozialen Randgruppen ist stärker ausgeprägt. Mangel im Überfluss Die Herausforderung ist zweifach: Einerseits sind all diese Bedrohungen der Gesundheit junger Menschen Krankheiten von Gesellschaften, die im Überfluss leben. Andererseits sind gerade jene Burschen und Mädchen besonders von schlechter Gesundheit betroffen, die von Armut bedroht sind oder bereits in Armut leben. Das heißt, den Blick für soziale Randgruppen zu schärfen, integrative Maßnahmen für Familien und Jugendliche zu stärken. Es heißt auch, Rollenbilder hinterfragen zu lernen, um ungesunden Vorbildern widerstehen zu können. Es heißt, das Gesundheitsbewusstsein von Eltern ab der Schwangerschaft zu stärken, sollen Risiko- und Suchtverhalten aber auch Gewalt verhindert werden. Kinderrechtszugang im Gesundheitssystem Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist ein wichtiges Anliegen der Konvention über die Rechte des Kindes: Artikel 6 statuiert der das Recht auf Leben und gesunde Entwicklung als Grundprinzip, Artikel 24 fordert Zugang zu allen Gesundheitsdienstleistungen. Aber auch andere Rechte von Kindern sind gesundheitsrelevant: Wie Studien zeigen, ist die Gesundheit von Kindern sehr stark von deren Versorgung, vom Lebensstandard der Familie und von der Bildung abhängig. Selbst die Referenzen auf Kinderarbeit, Gewalt, sexuelle Ausbeutung und Alkohol- und Drogenkonsum sind dies. Fast alle Artikel der KRK haben einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Gesundheit von Kindern. Diese Unteilbarkeit und Zusammengehörigkeit aller Kinderrechte macht es notwendig, das Kind im Zentrum aller Interventionen zu halten und sicher zu stellen, dass alle Maßnahmen, die für Kinder gesetzt werden, dem Recht auf Leben, Überleben, Gesundheit und Entwicklung des Kindes dienen. Die WHO betont die Bedeutung des Menschenrechtszuganges in allen Gesundheitsfragen. Daher ist es nur konsequent, dass sie einen Kinderrechtsansatz in allen Politiken für Kinder wählt und dazu beitragen will, dass die Kinderrechte im Gesundheitssektor bekannter werden. (Thema des Monats April 2011) Klaus Vavrik: Bestmögliche Gesundheit - ein Kinderrecht |
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