Kinderrechte virtuell gespiegeltVon Christine Geserick M.A., Österreichisches Institut für Familienforschung (ÖIF), Universität Wien, Abteilung für Forschung und Entwicklung (www.oif.ac.at)Der virtuelle Raum des Internets ist heute schon so allgegenwärtig, dass viele davon sprechen, die reale Welt würde sich darin spiegeln können. Mit Blick auf die heutige Kinder- und Jugendgeneration wäre das sogar ein erfreuliches Spiegelbild, denn: das Internet ist ein Medium, in dem vor allem Jugendliche häufig unterwegs sind und sich im Sinne des Partizipationsgedankens aktiv beteiligen. Laut Statistik aus dem Jahr 2005 haben in Österreich besonders Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter einen heimischen Internetanschluss (zu 65%), das ist häufiger als der Durchschnittshaushalt (zu 47%). Zudem treibt die heutige Jugendgeneration die Demokratisierung des Internets voran, im Sinne einer gleichgestellten Teilhabe aller Gesellschaftsmitglieder. Vor einigen Jahren war das Internet noch von jungen männlichen Akademikern dominiert, heute bewegt sich vor allem etwas im Geschlechterkontext. Mädchen zeigen ihren Großmüttern, dass die Nutzung von Medien nicht an Geschlecht gebunden ist. Denn im Jahr 2005 nutzen genau so viele 16-24-jährige junge Frauen wie Männer das Internet (zu jeweils 88%), innerhalb der älteren Generationen sind nur halb so viele Frauen wie Männer im virtuellen Raum unterwegs. Mit Blick darauf, dass der kompetente Umgang mit PC und neuen Kommunikationsmedien heute eine wichtige Bildungs- und Berufsqualifikation darstellt, ist das wachsende Interesse von Kindern sicherlich positiv zu sehen. Und: gerade die Präsenz von Mädchen ist ein wichtiger Wegweiser in Richtung geschlechtsegalitärer Bildungschancen. Von kritischen Erwachsenen-Stimmen häufig als Freizeitbeschäftigung niederer Qualität abgetan, bietet die Beschäftigung im Netz also heute das Potenzial, Kindern und Jugendlichen in vielleicht (noch) ungewohntem Raum Partizipation zu ermöglichen, eben sogar weltweit: im World Wide Web. Im Sinne der Kinderrechte zum gesellschaftlichen Mitgestalten scheint es deshalb ratsam, die rasante Entwicklung der Neuen Medien als Chance anzunehmen, die Kindern und Jugendlichen z.B. über das Internet ein "adäquates Medienangebot" zur Verfügung stellen (KRK Art. 17) und ihnen anzubieten, Gebrauch von ihrem "Recht der Meinungs- und Informationsfreiheit" (KRK Art. 13) zu machen. (Thema des Monats Oktober 2006) |
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