"Kinderrechtliche Medienarbeit"Mag. Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez, freie Journalistin, Netzwerk Kinderrechte
Kinderrechtliche Medienarbeit ist ein weithin unbeschriebenes Blatt im wahren Sinn des Wortes. Um es plakativ zu sagen: Eine kinderrechtliche Sicht in der medialen Berichterstattung, die sich durch die Achtung der Würde von Kindern und Jugendlichen und ihrer Privatsphäre auszeichnet, ist noch kaum geübte Praxis. Die ernsthafte Überzeugung, dass auch junge Menschen etwas zu sagen haben und ernst genommen werden sollen, der Schutz der Privatsphäre und der Schutz von Gewaltopfern vor einer zweiten Viktimisierung durch die Medien sowie die Auseinandersetzung mit all den unterschiedlichen Problemen, Wünschen und Hoffnungen der Kinder hier in Österreich und in aller Welt, ... die Kinderrechte“ sind noch selten Leitgedanke beim Medienmachen . Wenn, dann sind es einzelne Journalisten und Journalistinnen, die ihrer eigenen Lebenseinstellung folgend auch in ihrem Beruf nicht auf das Kind und dessen Lebenswelt in all seinen Facetten vergessen, vielleicht auch ihr eigenes Kindsein nicht vergessen haben. Sie zeigen dann ab und zu , dass auch der Alltag eines Kindergartenkindes in einem Tiroler Bergdorf, die Geschichte eines jugendlichen Straftäters in Graz, die Qual der Wahl zwischen Lehre und weiterführender Schule für junge Menschen in Wien, das neue Leben von Kindern nach der Scheidung ihrer Eltern, die Höhen und Tiefen im Zusammenleben von Erwachsenen und eben Nicht-Erwachsenen in Familie, Schule und Berufswelt interessant und berichtenswert sind, behutsam und identitätswahrend erzählt werden können, und niemals der Respekt vor dem Menschen, auch vor dem jungen Menschen nicht, verloren gehen muss. Das sind dann Geschichten, die Vorbild und Antrieb sein können, Orientierung schaffen und einfach umfassende Information bieten, wie es guter Journalismus tun sollte. Denn es geht nicht darum, ähnlich wie es auch schon die Autorin Brigitte Weninger im Thema des Monats zu Kinderrechte in der Literatur“ formuliert hat, Kinderrechte explizit zu behandeln: Bücher, die Kinder und Jugendliche und ihre Belange ernst nehmen und dennoch genug Platz für Spaß haben, sind mit gutem Grund Lieblingsbücher. Denn Kinder haben neben allem anderem auch noch ein Recht auf Humor und Lebendigkeit und auf Bücher, die einfach nur Freude am Lesen und dem Kennenlernen neuer Welten machen, ohne mit moralisierend erhobenen Zeigefingern und langweilender Tiefgründigkeit überfrachtet zu sein.“ – Eine gleiche Grundeinstellung wäre in der medialen Berichterstattung wünschenswert, die tiefe Achtung vor dem Kind als roter Faden, der sich durch ein Blatt, durch einen Radiosender, durch eine Fernsehanstalt zieht. Doch wie weit wir davon entfernt sind, zeigen die beiden bekanntesten Entgleisungen alleine in jüngster Vergangenheit: der Fall Elisabeth F.“ mit noch nie da gewesener medialer Hetzjagd und Natascha Kampusch und die Nichtachtung von Privatität. Hier ging es nicht nur“ um die Verletzung von ethischen Grundsätzen und Persönlichkeitsrechten, hier ging es ganz klar auch um Kinderrechtsverletzungen. Im in Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention heißt es dazu: (1) Kein Kind darf willkürlichen oder rechtswidrigen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung oder seinen Schriftverkehr oder rechtswidrigen Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. (2) Das Kind hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.“ Eine institutionalisierte Zusammenarbeit von Journalisten und Journalistinnen mit Organisationen, die tagtäglich mit der Lebenswelt der jungen Menschen konfrontiert sind und mit und für sie arbeiten (Kinderärzte/innen, Lehrer/innen, Vereine, Asylbetreuer/innen, Jugendwohlfahrt, ...) und natürlich mit den Kindern und Jugendlichen selbst wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Nicht aufoktroyieren, nicht manipulieren, nicht belehren, sondern fundierte Meinungsbildung fern von Feinbildern und Klischees ermöglichen. Die Kinderrechte als roter Faden eben, die Kinderrechte in den Köpfen aller Menschen verankert“, wie es auch Bundespräsident Heinz Fischer anlässlich des Internationalen Tags der Kinderrechte am
Thema des Monats Jänner 2009
Expertenstimme zum Thema "Medien und Opferschutz" von Mag. Holger Eich, Kinderschutzzentrum Wien
|
|||
| © BMWFJ / Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend | |||