Kinderrechte gehen alle an
Den Kindern bei uns geht’s eh gut.“ - ein Satz, der von vielen Östereichern/-innen stammen könnte. Vergleicht man/frau direkt mit der Lebenssituation von Kindern in Krisengebieten, trifft dies gewiss zu. Analysieren wir jedoch durch die Augen von Kinderrechtsexperten/-innen, besteht auch in Österreich großer Handlungsbedarf in unterschiedlichsten Bereichen. Auch in Österreich erleben Kinder nach wie vor Missstände: Leben unter der Armutsgrenze, Gewalt und Missbrauch - meist im engsten Umfeld, mangelnde Möglichkeit der Mitbestimmung in Schule und Elternhaus. Tagtäglich werden Rechte, Bedürfnisse, Wünsche und Meinungen von Kindern nicht gehört, nicht wahrgenommen oder ignoriert.
Um diese Rechtsverletzungen zu reduzieren, müssen wir ein breites Bewusstsein für Kinderrechte schaffen: Bei den Kindern und Jugendlichen selbst, bei Eltern, Pädagogen/-innen, Politikern/-innen und allen anderen Menschen, deren Handeln Auswirkungen auf die Lebensumstände von Kindern haben.
Kinderrechtskonvention? Was geht das mich an?
Die Kinderrechtskonvention ist also so etwas wie eine Anwältin für die Interessen der Kinder und Jugendlichen. Aber Anwälte/-innen brauchen Mandant/innen“, also Menschen, die ihre Rechte einfordern. Und da man nur ein Recht einfordern kann, das man auch kennt, ist es auch für junge Menschen wichtig, die Kinderrechtskonvention zu kennen und ein wenig über die Geschichte der Kinderrechte zu wissen. Denn die Stellung von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft hat sich über die Jahrhunderte stark gewandelt – und die Idee, dass Kinder schon Menschen sind und nicht erst als Erwachsene Anspruch auf Respekt und Anerkennung ihrer Kompetenz haben, ist noch gar nicht so alt.
Kinderrechtsbildung für Eltern
Eltern lieben in der Regel ihre Kinder, sie wollen ihr Bestes und erbringen dafür große Leistungen. Dennoch sollten sich auch Mütter und Väter, die mit viel Engagement für ihre Kinder da sind, immer wieder folgende Fragen stellen:
1. Wie viel Respekt haben wir Erwachsenen vor Kindern? Welche Rolle spielen sie in unserem Leben?
2. Wie viel Mitsprache und Selbstbestimmung erlauben wir ihnen und wie viel Achtung bringen wir der Meinung von Kindern entgegen?
In der Meinung zu erziehen sprechen wir oft in einem Ton mit unseren Kindern, den wir uns generell verbieten würden. Oft in der Befehlsform teilen wir ihnen mit, was sie zu tun oder zu unterlassen haben. Befinden einfach, dass sie für dieses oder jenes noch zu klein oder noch nicht reif genug oder schon zu alt seien, ohne uns die Mühe zu einem Gespräch unter Partnern/-innen zu machen, warum wir etwas für nicht gut oder möglich halten. Kaum würden wir es wagen, mit unseren Nachbarn/-innen so zu reden – wenn wir nachdenken, fallen uns eine Reihe von gängigen Sätzen aus dem Erziehungsalltag ein, die wir außerhalb der Familie eher nicht verwenden würden.
Warum eigentlich? Berechtigt uns die Aufgabe, unsere Kinder für ein Leben in unserer Gesellschaft als respektable Menschen vorzubereiten dazu, ihnen einfach das Wort zu verbieten, sie automatisch in die zweite Reihe zu stellen? Warum kommunizieren wir nicht mit ihnen wie mit Gleichaltrigen, fragen sie um ihre Meinung, ersuchen sie oder erklären ihnen das, was wir gerne von ihnen hätten in Worten, die Respekt zeigen?
Ja, meist ist das mühsam, vor allem bei der x-ten Wiederholung – aber langfristig gesehen ist es der Mühe wert.
Helfen könnte, unsere Kinder immer als Menschen mit allen Rechten von Geburt an zu betrachten und weniger als Noch-nicht …“ zu sehen, als Wesen, die erst … werden müssen“. Wie viel leichter lernen wir selbst als Erwachsene noch in einem Umfeld, in dem wir uns respektiert wissen, in dem auf unsere Meinung gehört wird und in dem wir uns unkontrolliert entfalten können, weil man uns grundsätzlich vertraut.
Diese drei Grundsätze sind vielleicht deshalb gar nicht so leicht einzuhalten, weil in unserer Welt Kinder vor allem unsere Zukunft sind“ und ihnen wenig Gegenwart zugestanden wird. Und als Eltern haben wir oft Angst, nicht ausreichend in diese Zukunft zu investieren“, wenn wir dem Augenblick mehr Gewicht geben.
Kinderrechte über die Elternbildung zu vermitteln kann zu der wichtigen Veränderung des Blickwinkels beitragen.
Kinderrechte in der Schule
Die Schule ist ein Ort, der schon allein wegen der großen Zahl der Beteiligten nach klaren Regeln ruft. Wie wichtig diese für Kinder generell sind, werden sie dennoch öfter als notwendig dazu gebraucht, über berechtigte Bedürfnisse der Schüler/innen hinweg zu regieren“.
Um die Zusammenarbeit der Schulpartner/innen bei der Gestaltung des Schullebens sicherzustellen, haben sie in Österreich das Recht auf Interessensvertretung. Diese verschafft Schülern/-innen im unmittelbaren Umfeld gute Möglichkeiten, ihre Wünsche einzubringen aber auch auf bundespolitischer Ebene mitzuwirken.
Dies ist eine auch vom UNO-Kinderrechtsausschuss gelobte, wichtige Einrichtung. Dennoch gibt es auch in der Welt der Schule noch viele Verletzungen der Würde des Kindes, Mobbing untereinander und viel missglückte Kommunikation, die so manchen Kindern die Freude am Lernen vergehen lässt.
Viele engagierte Schulprojekte widmen sich den Themen Kommunikation und Kooperation für einen respektvolleren Umgang miteinander. Dennoch ist auch hier noch am generellen Zugang zu Schülern/-innen, die in erster Linie als zu bildende oder auszubildende Wesen angesprochen werden und nicht durchgängig genug als Menschen mit Leib und Seele, die Respekt verdienen.
Kinderrechte im sozialen Nahraum
Auch die Gemeinden können ihre Entscheidungen anders fällen, wenn die Grundprinzipien der KRK Allgemeingut geworden sind. Welche Prioritäten werden gesetzt, wenn sich nur die starken Lobbyisten Gehör verschaffen können und wie sehen sie aus, wenn auch Kinder ihre Meinung sagen können und dies berücksichtigt wird?
Ein vom BMSG initiiertes Projekt Audit familien- und kinderfreundliche Gemeinde“ soll Kommunen dabei unterstützen, die Interessen von Familien und Kindern in ihre Politikentwicklung einzubeziehen.
Kinderrechte auf regionaler und nationaler Ebene
Ein Ziel des Nationalen Aktionsplans für die Rechte von Kindern und Jugendlichen ist es, die Grundprinzipien der KRK zu einem handlungsleitenden Instrument in politischen Entscheidungsprozessen zu machen.
Mit der Entwicklung eines Generationen Mainstreaming-Konzeptes“ sollen die Auswirkungen politischer Vorhaben auf die Generationen überprüft werden können. Um auch die Verteilung der Budgetmittel auf die Generationen zu erforschen wird ein Generationen Budget-Überprüfungssystems“ erarbeitet.
Kinderrechte werden zunehmend auf nationaler und internationaler Ebene diskutiert. Wie das Thema der Gleichberechtigung von Frauen und Männern halten sie langsam Einzug in politische Debatten – und verschaffen sich damit die Voraussetzung, dass Kinder und Jugendliche zunehmend weniger nur als Beitragszahler/innen von morgen, sondern als Träger/innen von Rechten im Hier und Jetzt wahrgenommen werden.
(Thema des Monats April 2006)
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