Mehr Bewusstsein für Kinderrechte
"Wenn ich Politikerin wäre, würde ich Plakate malen mit allen Kinderrechten drauf und die würde ich dann an alle Erwachsenen schicken und auch an die Schulen. Und eigentlich würde ich sie auch beim Bäcker aufhängen. Und dann auch in allen Schuhgeschäften. So dass nämlich endlich alle Erwachsenen wissen, dass KINDER AUCH RECHTE HABEN. Nicht nur die Erwachsenen." (Sarah, 10 Jahre)
Sarahs Pläne haben eines zum Ziel: Die Bewusstmachung von Kinderrechten in den Köpfen und im Handeln der Erwachsenen.
Viel Positives zum Thema Kinderrechte ist in Österreich geschehen, aber bei weitem noch nicht genug. Die österreichische Bundesregierung hat seit der UN-Konvention über die Rechte des Kindes zahlreiche Rahmenbedingungen für Familien, Kinder und Jugendliche deutlich verbessert: Schutz gegen Gewalt, Obsorge beider Elternteile nach der Trennung, Herabsetzung der Volljährigkeit oder die Erweiterung der Partizipationsmöglichkeiten. Dieses staatliche Handeln endet jedoch nicht mit Gesetzestexten, sondern muss auch politische, wirtschaftliche, Struktur verändernde und Bewusstsein bildende Maßnahmen beinhalten.
Auch wenn es in Österreich inzwischen als selbstverständlich gilt, dass Kinder mit Gesundheit und Bildung gut versorgt sein müssen und ebenso selbstverständlich vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden müssen, ist das Recht von Kindern auf umfassende Berücksichtigung ihrer Meinung im Bewusstsein vieler Österreicher/innen noch nicht verankert. Dennoch hat sich in den letzten 20 Jahren viel verändert. War davor "die gsunde Watschn" im gesellschaftlichen Bewusstsein in erschreckend hohem Maße salonfähig, so stimmt es positiv, dass gesellschaftliche Bewusstseinsänderungen zum Positiven möglich sind und sich Haltungen gewaltfreien Idealen anpassen können.
Der nächste Schritt, den zu setzen es an der Zeit ist, beinhaltet die Bewusstmachung der Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in allen ihren Lebensbereichen und somit das aktive Recht, umfassend und gleichberechtigt an Entscheidungen der Gesellschaft teilzuhaben. Kinder haben ein Recht darauf, als selbstständige Menschen mit eigenen Interessen und Bedürfnissen wahrgenommen zu werden. Entscheidend dabei: Die Haltung der Eltern, der Lehrer/innen und allen anderen direkten und indirekten Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen.
Welchen Stellenwert sprechen wir Kindern in Österreich zu?
Welche Position geben wir ihnen und wie stark ist die Anerkennung und Berücksichtigung wirklich, die wir den jüngsten Mitgliedern unserer Gesellschaft gewähren?
Diese Fragen sind zentral, wenn es um die Zukunft Österreichs geht und dringender als es vielen bewusst scheint.
(Thema des Monats April 2006)
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