Kindheitsforschung und KinderrechteDie Frage, was Kindheitsforschung mit Kinderrechten zu tun hat, beantwortet der Vorsitzende des UN-Kinderrechtsausschusses, Jaap E. Doek, so: If there are no data, there is no policy!“. Das heißt also, dass wir nur von einer zielgerichteten Kinderrechtspolitik sprechen können, wenn wir gute Informationen über die relevanten Politikbereiche haben, wenn wir wissen, wie es Kindern geht und eine Vorstellung davon haben, wie ihre Bedingungen idealerweise sein sollten. Die Ausgangsmaxime ist also, dass die aktuelle Situation zuerst gemessen und beurteilt werden muss, wenn sie verbessert werden soll. Aber allein schon die Entscheidung, etwas zu erforschen, hilft Prioritäten zu setzen, weil es eine Entscheidung braucht, was erfasst wird und was Verbesserung bedeutet. UNICEF definiert daher Monitoring als Handlauf“ für die Politik, der die Bemühungen auf Schiene hält, die Zielorientierung unterstützt, nachhaltige Aufmerksamkeit sichert, rechtzeitig warnt, wenn Gefahr besteht, dass die Ziele nicht erreicht werden, Verantwortlichkeit stärkt. Dazu braucht Monitoring gut gewählte Indikatoren und belastbare Daten. Obwohl diese Überzeugung breit getragen wird, fehlt es dennoch vielfach an aussagekräftigen und vielleicht auch noch international vergleichbaren Daten. Die Produktion von Daten ist aufwändig: Sie ist teuer und belastet jene, die differenzierte Fragebögen ausfüllen oder lange Interviews geben sollen. Oft können aber auch vorhandene Daten nicht ausgewertet oder sinnvoll mit anderen verknüpft werden, weil dies unseren Ansprüchen an den Datenschutz widersprechen würde. Bei dem Zielkonflikt muss sehr genau festgelegt werden, welche Daten wir wofür brauchen. Datenfriedhöfe“ zu produzieren, die lediglich vergleichende wissenschaftliche Interessen befriedigen, können wir uns nicht leisten – selbst wenn sie noch so spannend sein mögen. Das Kinderrechtsministerium“ hat anlässlich der Erstellung des Nationalen Aktionsplans für die Rechte von Kindern und Jugendlichen (NAP-Kinderrechte) Wissenschafter/innen beauftragt, zu den für Österreich wichtigsten Aspekten der KRK eine Situationsanalyse zu erstellen. Diese sollte die Basis bilden für die Diskussion in den Arbeitsgruppen, welche Situation wie verbessert werden könnte. Im Expert/innenbericht sind die Ergebnisse der wissenschaftlichen Analyse und die im NAP-Prozess daraus abgeleiteten Forderungen zusammengeführt. Die Europäische Kommission hat sich in den letzten beiden Jahren besonders um die Erforschung der ökonomischen Situation von Kindern angenommen. Dazu wurden in Arbeitsgruppen geeignete Indikatoren gesucht und die Datenlage verbessert. Mit einem eigenen Kinderfrageset im EU-SILC werden bei der Armutsberichterstattung künftig Kinder einen fixen Platz einnehmen. Wichtig ist es jedenfalls, dass immer dann, wenn es um Kinder geht, Kinder selbst gehört werden. Gerade die Forschung kann einen wesentlichen Beitrag leisten, Kindern eine Stimme zu geben, ihre Weltsicht darzustellen. Wenn die Wissenschaft Kinder als kompetente Subjekte wahrnimmt und nicht bloß als zu beobachtende, zu beschreibende Forschungsobjekte, dann unterstützt sie eine Änderung in der Haltung gegenüber Kindern in der Politik ebenso wie im Alltag von Kindern im Hier und Jetzt. Kindheitsfroschung in der inter/nationalen Sozialberichterstattung (R.Kränzl-Nagl)… Entwicklungen in der Kindheitsforschung (R.Kränzl-Nagl) … (Thema des Monats Juli 2008) |
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