Inhalt

Ausländische Studierende in Österreich

Bereits seit längerer Zeit erfreut sich Österreich als Studienort bei ausländischen Student/inn/en großer Beliebtheit. Gegen Ende der 1950er Jahre belief sich der Anteil der rund 10.000 ausländischen Studierenden an Österreichs Universitäten auf 32%, während der Ausländeranteil an der Bevölkerung nur 1,4% ausmachte. Im Wintersemester 2015/16 waren 73.795 oder 26,3% der ordentlichen Studierenden an den öffentlichen Universitäten ausländische Staatsangehörige; inklusive der anderen Hochschulen (Privatunis 39,5%, Fachhochschulen 16,8%, Pädagogische Hochschulen 6,8%, Theologische Lehranstalten 61,6%) sowie der Lehrgang-Studierenden waren es 92.363 oder 24,2%. Gleichzeitig lag der Ausländeranteil in der Bevölkerung bei 14,6%.

In der Hochschulstatistik gelten als „Ausländer … jene Studierenden, die nicht die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, auch wenn sie ihren derzeitigen Wohnsitz in Österreich haben“ sowie als Inländer auch jene „Österreicher, die ihren ständigen Wohnsitz im Ausland haben“ (Statistik Austria, Bildung in Zahlen).

Im Wintersemester 2015/16 besaßen von den 309.076 Studierenden an Universitäten 224.303 (72,6%) eine inländische und 75.269 (24,4%) eine ausländische Universitätsreife sowie 9.504 (3,1%) eine sonstige Berechtigung. Unter den 221.553 Inländern befanden sich 4.400 (2,0%) mit ausländischer Universitätsreife, unter den 87.523 Ausländern 12.289 (14,0%) mit inländischer Universitätsreife. Das Gros der an Österreichs Universitäten studierenden Ausländer, 70.869 oder 81,0%, besaß eine ausländische Universitätsreife (Quelle: Unidata.)

Dass  Österreich als Studienstandort attraktiv ist, zeigt auch eine Eurostat-Statistik der mobilen Studierenden aus 2014: Im Spitzenlnd Österreich hatten von den Studierenden im Tertiärbereich 12,8% die Sekundarstufe im Ausland abgeschlossen, in Tschechien 8,3%, in Dänemark 8,1%, in Großbritannien 5,9%, in Deutschland aber nur 3,1% (Statistik Austria, Migration & Integration 2016).

Von den ordentlichen Studienabschlüssen entfällt wie bei den Studierenden etwa ein Viertel auf Ausländer  (2014/15 an den staatlichen Unis 24,5%, davon nach Studienarten: Bachelor 24,5%, Diplom 18,7%, Master 28,1%, Doktorat 31,3%). Die insgesamt 8.484 Abschlüsse konzentrierten sich auf Geistes- (2.174), Natur- (1.920), Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (1.468), Technik und Montanistik (1.155) sowie Musik (500) und Medizin (396). Die höchsten Anteile stellten die Ausländer an den Absolventen der Musik (58,2%), Darstellenden Kunst (47,5%), Theologie (38,7%) und Veterinärmedizin (34,9%).

Bezüglich der Berufsausübung nach absolviertem Studium in Österreich zeigt sich, dass Studenten bestimmter Studienrichtungen (z.B. Jus, Lehramt) eher in Österreich bleiben, während etwa 80% der deutschen Medizinstudenten nach dem Studium Österreich verlassen, um den Beruf in ihrem Heimatland auszuüben. Laut einer Analyse, die nur Absolventen mit österreichischem Hauptwohnsitz umfasst, zogen 25,7% der Nichtösterreicher, die 2012 einen tertiären Abschluss erworben hatten, innerhalb der ersten drei Jahre ins Ausland. Von den Inländern emigrierten gleichzeitig nur 2,3%. Bei den frisch erworbenen Doktoraten lagen beide Anteile mit 40,3% bzw. 5,9% deutlich höher (Statistik Austria, Migration & Integration 2016).

 

Bezug zur Kinderrechtekonvention 

Artikel 28 Kinderrechtekonvention normiert das Recht auf Bildung. Um dies zu erreichen, werden die Vertragsstaaten insbesondere
a) den Besuch der Grundschule für alle zur Pflicht und unentgeltlich machen
b) die Entwicklung verschiedener Formen der weiterführenden Schulen allgemein bildender und berufsbildender Art fördern, sie allen Kindern verfügbar und zugänglich machen und geeignete Maßnahmen wie die Einführung der Unentgeltlichkeit und die Bereitstellung finanzieller Unterstützung bei Bedürftigkeit treffen
c) allen entsprechend ihren Fähigkeiten den Zugang zu den Hochschulen mit allen geeigneten Mitteln ermöglichen
d) Bildungs- und Berufsberatung allen Kindern verfügbar und zugänglich machen
e) Maßnahmen treffen, die den regelmäßigen Schulbesuch fördern und den Anteil derjenigen, welche die Schule vorzeitig verlassen, verringern.
Weiters werden die Vertragsstaaten alle geeigneten Maßnahmen treffen, um sicherzustellen, dass die Disziplin in der Schule in einer Weise gewährt wird, die der Menschenwürde des Kindes entspricht und im Einklang mit dem Übereinkommen steht.

Entwicklung

Seit dem Wintersemester 2001/02 entwickelte das Ausländerstudium in Österreich eine besondere Dynamik. An den Universitäten stieg die Anzahl der Studierenden seither von 194.763 auf 309.076 (+59%) im Wintersemester 2015/16. Die Anzahl der Ausländer erhöhte sich gleichzeitig von 32.249 auf 87.523 (+171%). Die Zunahme an Ausländern (+55.274) trug fast die Hälfte zum Wachstum der Gesamtzahl Studierender (+114.313) bei. Die Anzahl deutscher Studierender wiederum stieg von 5.359 auf 29.928, d.h. auf etwa das 5,6-Fache und trug mit einem Plus von 24.569 gut 44% zum Ausländer- sowie über 21% zum Gesamtzuwachs bei. Gleichzeitig kam es auch bei den nichtdeutschen Ausländern zu mehr als einer Verdoppelung der Studierendenzahl (2001: 26.890; 2015: 57.595, d.s. +30.705 bzw. +114%).

Die Anzahl ausländischer Studierender mit inländischer Universitätsreife nahm seit 2001/02 von 3.662 auf 12.289 überproportional zu (+236%). Sie erreichte damit einen Anteil von 5,5% an allen Studierenden mit inländischer Universitätsreife, was im Vergleich mit dem Ausländeranteil im vorgelagerten Besuch maturaführender Schulen von ca. 8% noch ein Defizit darstellt. Die Steigerung der Anzahl ausländischer Studierender mit inländischer Universitätesreife in den letzten 15 Jahren erfasste nicht nur die Deutschen (von 806 auf 3.552, d.s. +341%), sondern auch die nichtdeutschen Ausländer (von 2.856 auf 8.737, d.s. +206%). Mit anderen Worten: Es expandierte neben dem Hochschulbesuch Deutscher, die nach Österreich zum Studium kamen, auch  das Studium ansässiger deutscher Kinder, die in Österreich maturierten, aber auch das der zweiten und dritten nichtdeutschen Migrantengeneration (klassische Gastarbeiter- sowie Neuzuwanderung aus Ostmittel- und Südosteuropa).

zum Seitenanfang